Im Jahr von Corona

„Den banalen Alltag ins Kunstwerk gebrannt“, so umschrieb vor längerer Zeit eine Journalistin meine Werke. Ich setze den Alltag in Plastiken um, die den Menschen in verschiedenen Lebensabschnitten darstellen und dabei menschliche Schwächen und Größen sichtbar machen.

Daran hat sich bis jetzt fast nichts geändert. Dieses Jahr mit Corona drängten sich die Themen direkt auf. Beim Modellieren und besonders beim langwierigen Glätten der Oberfläche habe ich Zeit, Zeit meine Gedanken hin und her zu wälzen.

Angefangen hatte mein keramisches Jahr schon gedanklich während unserem Aufenthalt in Kreta. Europa und Zeus sollten mein nächstes Thema sein. Nach den Berichten über das neue Virus modellierte ich Zeus nicht als Stier, sondern als Ziege und von Europa blieben nur zwei, sich ankrallende Hände über.

Ein Männergesangsverein probt weiter, ein Ehepaar besucht eine Veranstaltung, ein Zauberer sucht in seinem Buch, man rettet sich unter einen Schirm.

Daumen hoch! Der Kuss mit Mundschutz ist witzig. Wir lachen noch über mangelnde Klopapierrollen aber wundern uns nicht mehr über ratlose Politiker.

Kann der Gigant besiegt werden? Der Leviathan aus der christlichen Mythologie steigt aus dem Wasser. Man spricht schon von der Wahl des Bundestags im Herbst 2021.

Die biblische Geschichte von Susanna im Bade ging für die Männer schlecht aus. Es gefiel mir, nur die Männer abzubilden.

Die Mutter mit Kind, nach einem Bild von Frank Walter, der sein ganzes Leben lang kein Bild verkaufen konnte. Es erinnerte mich an meine jüngste Tochter, die oft genau wie auf dem Bild getragen werden wollte.

Meine neuen Plastiken

Ich greife gerne aktuelle soziale und politische Probleme auf, setze den Alltag in Plastiken um.

Dass ich mit den Plastiken „Der Unterschreiber“ und „Präsidenten-Unterschrift“ den Donald Trump karikiere, glaube ich erkennt man.
Wie lange wird das Thema aktuell sein? Politik ist schnelllebig im Gegensatz zu meinen Steinzeugfiguren, die bei 1250°C gebrannt wurden.

„Der rote Krebs“ ist meine neueste Plastik zum Thema Krebserkrankung.

Anlass zum „OP-Hemd“ gab mir ein Stein aus der Weißach, den Riccardo mir schenkte. Wie gemeißelt wirken darin die tiefen Runen, gleich einem gerunzelten, zufriedenen Gesicht. Eine alte Frau im letzten Hemd, war mein erster Gedanke. Das war mir aber dann zu ernst und ich stellte lieber die Hoffnung vor einer Operation dar.

Eine Plastik aus Ton entsteht

Ich sah in den Fernsehnachrichten eine Wahlveranstaltung. Die Politiker standen auf einer Tribüne. Am Ende ihrer Reden applaudierten sie sich selbst mit Klatschen. Das brachte mich auf die Idee, dies karikaturistisch in einer Plastik darzustellen, drei Herren mit übergroßen klatschenden Händen.

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Ich zeige Fotos, wie ich die Plastik aufbaute und Details modellierte:

Nach zwei Wochen Trockenzeit glasierte ich die staubtrockene Figur mit selbst hergestellten Glasuren aus Asche. Tano brannte sie nach einigen Tagen Trockenzeit bei 1250°C (Steinzeugtemperatur) im Brennofen. Statt einem Schrühbrand, den man gewöhnlich bei 950°C voran stellt, schaltete Tano einen fünfstündigen Trockenbrand bei 150°C vor.

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