Ausstellung: Fernando Botero Museum Moderner Kunst Passau

Ausstellung im Museum Moderner Kunst Wörlen in Passau – Boterosutra

Der Zug, in dem wir saßen, bewegte sich nicht mehr. Tano und ich mussten umsteigen. Als wir endlich vor dem Tor des Passauer Museums standen, waren, mit dem Fußweg entlang der Donau, fünfeinhalb Stunden vergangen.

Am Eingang warnte ein Zettel, dass die Bilderschau nicht für unter 16-jährige geeignet ist. Verständlich, denn ich las daheim schon, dass der Künstler Fernando Botero sich von der indischen Liebenskunst aus dem Kamasutra anregen lies. Er nannte seine Bilderserie selbstironisch sogar Botero-Sutra.

Wer sich erhoffte, pornografische Szenen zu sehen, wurde enttäuscht. Die nackten Körper waren füllig überzeichnet, doch die Geschlechtsteile konnte man nur erahnen. Dagegen waren Arme, Busen, und Beine übertrieben voluminös dargestellt. Erotisch und verführerisch wirkten die Körper nur durch die zarten, trotzdem leuchtenden Hautfarben. Abgelenkt haben mich Details, wie die Schleife im Haar der Frau, die Armbanduhr am Gelenk des Mannes oder das Muster des Betttuches.

Am Ende unserer Besichtigung war ich müde und meine Augen waren satt. Auf den 70 ausgestellten Bildern, alle mit dem gleichen Thema und dem gleichen Mann, veränderte sich nur die Lage der Liebenden, von oben nach unten und von links nach rechts. In der Erinnerung verschmolzen die vielen ähnlichen Bilder zu Einem.

Abends um halb neun waren wir wieder daheim. Tano und ich bereuten die kleine Ober-Niederbayerische-Weltreise aber nicht.

Artcycling Festival in Holzkirchen

Ausstellung in Holzkirchen vom 29. Juni – 2. Juli

Die „Kulturvision aktuell“ schrieb über die Ausstellung:

Mit der Ausstellung von 25 grandiosen Künstlern aus dem Landkreis Miesbach und über diesen hinaus wurde am 29. Juni Abend das ARTcycling Festival im KULTUR im Oberbräu eröffnet. Kunst der anderen, der kritischen, der humorvollen, der nachdenklichen Art erwartet die Besucher bis Sonntag.

Frau Dr. Ziegler, die Initiatorin des Festivals, und die Kulturhauschefin Ingrid Huber mit ihrem Team luden uns zum Mitmachen ein.

Riccardo zeigt seine Mixed Media Werke in der Ausstellung: „The heart of the wild rose“ und „Artefakte“.

Besonders seine zu den Bildern dazugefügten Objekte waren beeindruckend: Wurzelholz von einer Wildrose und eine alte Sandspielschaufel aus seiner Kindheit verbunden mit einem Besen, der alle Ecken des Hauses gesehen haben muss.

Ricc Milazzo Objekte und Malerei: die Schaufel des kleinen Jungen, der Besen, der jede Ecke des Grundstückes gesehen hat; Alltägliches, Wiedergefundenes und Erspürtes

Es ging um Upcycling Kunst, das heißt nicht mehr gebrauchtes oder unbeachtetes wird wertvoll. Wie passten die Werke von Tona und Tano zu diesem Thema?
Der Anlass sind unsere selbstgemachten Glasuren, die ohne die gekauften Fritten aus Naturmaterialien bestehen: Asche, Steine, Erden, Sand und Glasscherben.

In sechs kleinen Schalen präsentierten wir Aschen aus verschiedenen Holzsorten, Erden aus Niederbayern, Tegernsee, Istrien, aus unserem Fluss der Weißach und vom Ätna auf Sizilien mit den dazugehörigen Glasuren. Meine Steinzeugplastiken zeigen die Wirkung der Ascheglasuren und Tanos Mosaikkugeln die eingefärbten Asche-Pflasterstein-Glasuren, eingefärbt mit Eisen, Chrom und anderen Farbkörpern.

Ostern 2017

Mit dem Skizzenbuch im Gepäck kam Pina zu ihren Eltern. Endlich hat sie einmal Zeit als Urban Sketcherin die schönen Ecken von Rottach-Egern zu entdecken. Daraus wurde nichts. Regen und nur 5 Grad Celsius hielten sie im Haus fest. Dafür entstanden wunderschöne Porträts der Eltern und von zwei ihrer Geschwister.

Sizilien 2017

Sizilien 15.- 22. März 2017

Unser Hotelzimmer

So ein großes Hotelzimmer mit fast vier Meter hohen Wänden hatten wir noch nie. Warum so hoch? Italiener sind doch von kleiner Statur. Außer Atem, nach 29 Treppenstufen lies ich mich gleich in den Stuhl einer Korbsitzecke fallen.

Nur zwei kleine Balkontürfenster, hinter wuchtigen Vorhängen, ließen Licht in unser Zimmer. Schon gut für eine Woche; Hauptsache war die gute Lage im historischen Zentrum mit allen Sehenswürdigkeiten im Umkreis.

Noch nicht ausgepackt, machten wir uns wie immer auf den Weg, umrundeten den Piazza del Duomo und gingen die Via Etnea entlang. In einem der drei Andenkenläden am Tor Uzeda kaufte ich für 6 Euro zwei kleine kitschige Gipsfiguren: Mafioso und Mafiosa. Mit diesen in der Hand hatte ich am ersten Tag eine Begegnung mit zwei freundlichen Herren. Ich verstand nicht, warum sie meinen Personalausweis sehen wollten. Tano erfasste sofort die Lage. Der Geschäftsmann bekam eine Anzeige, weil er uns keine Quittung ausstellte. So lernte ich die Polizia di Finanza kennen, die zivilen Steuerfahnder.

Spät abends, als ich mich ins Bett warf, nahm ich erst die wundervolle Zimmerdecke wahr. Sie war geteilt in viele Kassetten, in denen Blütenornamente eingebracht waren. Erst jetzt sah ich, dass der Raum im freundlichen orangefarbenen und weißen Ton ausgemalt war. Plötzlich passte alles zusammen, die geschnörkelte Kommode, die Nachtkästchen, das Doppelbett, der Spiegel. Ich fühlte mich wie in Omas Wohnzimmer, sehr wohl.

Mit der Zeit nahm ich die Treppenstufen immer leichter und sportlicher. Warum die Stockwerke so hoch waren, erfuhren wir auch noch. Unser Hotel war vor hundert Jahren ein Kino gewesen.

Catania Pass

Mit dem Catania Pass, den es früher nicht gab, fühlten wir uns frei und mobil. Wir konnten damit Museen besuchen, die Busse kreuz und quer durch Catania benutzen und mit der vor drei Monaten eröffneten Metropolitana fahren.

Accitrezza war unser erstes Ziel. Am Busbahnhof (Via Cardinale Dusmet) fanden wir weder Fahrpläne noch Anschläge der Busnummern. Man musste fragen. Ein freundlicher Angestellter meinte, ich könnte seine handgeschriebenen Abfahrtzeiten abfotografieren.

Wir fanden einen Sitzplatz. Im Gang drängten sich dicht an dicht die Passagiere. Eine Vollbremsung, ein Ruck – alle Stehenden fielen aufeinander in eine Richtung. Ich hatte mein Gegenüber auf dem Schoß. Kurze Stille, alle standen wieder senkrecht und schimpften. Ei ei, auf deutsch bedeutet es au au, jammerte die Frau, die weich auf mir gelandet war.

Accitrezza

Beim ersten Blick auf die Isole de Ciclopi, die Zyklopeninseln, fühlte ich mich, als wäre ich auf einer tropischen Südseeinsel gelandet. Die griechische Mythologie kann dieses Naturwunder erklären. Der einäugige, riesengroße Zyklope auf dem Ätna, der von Polyphem geblendet wurde, schleuderte ihm mehrere Felsenbrocken nach, die jetzt im Meer liegen.

Ein romantischer Küstenweg am ionischen Meer führte uns zur Normannenburg in Acci Castello. Der in der Filmgeschichte bekannte Film von Visconti „ La terra trema – die Erde bebt“, ein Hauptwerk des Neorealismus, wurde dort mit der Bevölkerung gedreht.

Beim Warten an der Bushaltestelle zur Rückfahrt wurde es uns nicht langweilig. Wir kamen ins Gespräch mit einer jungen Studentin, die mit ihrem kleinen Bruder, der Mutter und Tante unterwegs war. Ihre Familie kommt aus Sri Lanka. Sie wurde aber in Catania geboren und ist Italienerin. In Catania gibt es eine größere Gemeinschaft der tamilischen Hindu-Flüchtlinge, die in den 70er Jahren vom dortigen Bürgerkrieg flohen.

Afrikanische Flüchtlinge fielen mir in der Stadt nicht gehäuft auf. Obwohl im Fernsehen von vielen gerade Neuankommenden berichtet wurde. Die Flüchtlinge werden im Auffanglager Cara di Mineo vor der Stadt, einer früheren amerikanischen Militärsiedlung aufgehalten. Auf der Via Europa, der Name könnte nicht passender sein, verkaufen Schwarzfarbige schon seit vielen Jahren Schmuck, Schallplatten und Kleidungsstücke vor den Gebäuden der großen Banken.

Hoch hinauf

Ganz neu war, dass man in der Kirche San Nicola auf die Empore und aufs Dach steigen konnte. 150 Stufen meinte der Aufseher, er hielt seine Hand an sein Herz und schaute mich alte Frau zweifelnd an. Ich machte mich auf das schlimmste gefasst. Aber schneller als gedacht konnten wir Catania von oben sehen. Ich, nicht ganz schwindelfrei, konzentrierte mich auf die verwitterten Terracottaziegeln mit ihrem wunderschönen Farbspiel von orange, rot, grau und grün.

Das Diözesanmuseum am Dom besuchten wir hauptsächlich, damit Tano von der Dachterrasse seine Heimatstadt und ich die Dachziegeln fotografieren konnte.

Bekanntschaften

Ich weiß nicht, liegt es nur an Tano oder ist es eine sizilianische Eigenschaft, dass man gleich ins Gespräch kommt. Im Garten diskutierte Tano sofort mit den Zuschauern, die an den Tischen Kartenspieler beobachteten.

Im Cafe schwärmte die Besitzerin von der deutschen Schwarzwälder Kirschtorte und überzeugte uns, dass der Cappuccino nur mit bitterem Kakao überstreut, gut ist.

An der Bar am Domplatz, dort wo wir unser Frühstück einnahmen, erfuhren wir von dem Kellner die Krankheitgeschichte seiner Frau und den Studiumsverlauf des Sohnes.

Ein Wartender vor der Kasse meinte, das wir froh sein sollen, dass wir eine funktionierende Polizei in Deutschland hätten. Ich weiß nicht, warum die Catanesen mich gleich als Deutsche identifizieren. Meine Haare sind genau so grau, wie die der italienischen Frauen. Vielleicht bin ich nicht so elegant gekleidet. Egal, auf jeden Fall verabschiedet man sich freundlich mit Handschlag voneinander.

Randazzo

Mit dem Cataniapass bekamen wir zwei Karten für die U-Bahn. Mit ihr konnten wir direkt zum Bahnhof Borgia kommen. Von dort aus fährt ein Bummelzug um den Ätna. Die Bahn rumpelte und schüttelte uns, bescherte uns aber einen himmlischen Blick auf den großartigen, schneebedeckten Ätna mit einer steil aufsteigender Rauchwolke. An die Eruption, einen Tag zuvor, dachten wir nicht. Sie hatte zehn Bergsteiger leicht verletzt und den Flugverkehr gestoppt. In Randazzo stiegen wir aus und schlenderten durch die geschichtsträchtige Stadt. Sie war schon von den Griechen und Römern bewohnt und von den Sarazenen (Araber), Normannen und Langobarden erobert worden.

Der italienische Mann und die neue Metropolitana

Vor drei Monaten war die Metropolitana erst eröffnet worden. Als Endziel war Nesima angegeben, der Stadtteil, wo einmal Nonna wohnte. Dort wollten wir in einer Bar die besten Paste di Mandorla der Stadt kaufen. Der Besitzer war ein alter Bekannter von Tano. Da unsere Fahrkarte den Eingang zur U-Bahn nicht öffnete, lies uns ein Bahnbeamter rein. Wir wunderten uns, dass in Borgo alle austiegen, und warteten vergebens auf die Weiterfahrt. Die Strecke war noch nicht fertig ausgebaut.

Zurück fahren konnten wir nicht, denn an der Sperre stand diesesmal niemand, der uns rein lassen konnte. Ein Bus sollte uns weiter bringen. Nach einer dreiviertel Stunde vergeblichen Wartens machten wir uns zu Fuß auf den Weg. Unsere Cataniacard fanden wir nicht mehr so toll. Da die Autos nicht nur auf der Straßenseite sonder auch auf den Gehsteigen parkten, blieb uns oft nur die befahrene Straße zum Gehen übrig. Bei uns wäre das nicht möglich, doch catanesische Autofahrer sind Kavaliere. Ich sollt gehen und nicht schauen, sagte Tano hundert mal zu mir. Sie würden mich nicht zusammenfahren.

Auf halber Strecke überholte uns dann der Bus.

Tano war verärgert, die U-Bahnkarte war nicht für die gekauften fünf Tage gültig, sondern nur für einen Tag. Im Touristenbüro schrie man sich gegenseitig an und man schickte uns zum Castell Ursino, wo wir sie gekauft hatten. Dort schrie man sich wieder gegenseitig an und wir wurden wieder zurück geschickt. Wieder Gebrülle und wildes Gestikulieren. Ich hielt Tano an.

Ich sei wahrscheinlich noch nicht lange verheiratet, ich würde den italienischen Mann nicht kennen, meinte eine Dame. Am Schluss bekamen wir die restlichen Karten, man fiel sich fast in die Arme und wir verabschiedeten uns wie alte Bekannte.

Einladungen

Höhepunkte in Catania waren die Einladung bei Kusine Elvira und drei Tage später bei der Nichte Marisa zum Essen im großen Familienkreis. Wir wurde fürstlich bekocht mit sizilianischen Köstlichkeiten: Pasta con Ricotta, Schwertfisch, gegrillten Artischocken, Arancini und Scacciata.

Zum Abschluss überraschten sie mich mit einer Geburtstagstorte. Da wurde mir bewusst, dass wir vor einem Jahr zur gleichen Zeit auch beieinander waren.

Ich hatte dabei ein schlechtes Gewissen, denn ein Treffen bei uns in Deutschland klappte schon lange nicht mehr.

Jedesmal wurde wir am Hotel mit dem Auto abgeholt. Es war nicht mal einfach eine Parklücke zum Einsteigen zu finden. Die 10 Kilometer von Catania hoch zum Ätna bis zur Stadt Misterbianco, während dem Berufsverkehr, dauert lange, und war abenteuerlich. Wer schnell reagiert und eine gute Hupe besitzt, hat hier die Vorfahrt. Man fährt Stoßstange an Stoßstange. Erst in der Nacht bei der Rückfahrt traute ich mich aus dem Fenster zu schauen.

Catania und die moderne Kunst

Escher Ausstellung im Palazzo della Cultura

Es war Zufall oder Glück. Wir waren die allerersten Besucher der Ausstellung. Es war ein Erlebnis. Die Bilder waren so gehängt, dass man im Rückblick meinte, in den ersten Holzstichen und den späteren Landschaftsbildern Eschers perspektivisch unmögliche Figuren zu sehen. Wenn uns die Füße nicht weh getan hätten, wären wir noch länger als die zweieinhalb Stunden geblieben. Sehenswert fand ich die Landschaftsbilder, die der Künstler bei seinem Besuch in Sizilien um 1930 zeichnete.

Ausstellung Andy Warhol

Tano und ich besuchten eine Andy Warhol Ausstellung im Castell Ursino, das 1239 für den Stauferkaiser Friedrich gebaut wurde, der nicht nur schwäbisch sondern auch arabisch und italienisch sprach. Eine großartige Idee, in einer mittelalterlichen Burg moderne Kunst zu zeigen.

Sehr interessant war, dass wir mit den jungen Leuten, den Betreuern der Ausstellung, sprechen konnten, sogar auf deutsch. Auf mein Bitten bekam ich ein Ausstellungsplakat, das jetzt in unserem Haus hängt.

Das alte Catania

Ich fühlte mich auf dem Fischmarkt als würde ich einen alten Film sehen, der Ton ist leiser geworden aber die Bilder sind beeindruckend geblieben. Das Gewirr von Fischern, Händlern, Touristen und den Ständen, Körben, und Wannen verwischte sich fast zu einem schwarz-weiß-grauen Film, wären da nicht die jungen Petersilienverkäufer mit ihren grünen Sträußen gewesen.

Ein paar Schritte weiter findet man unter den Brücken der Eisenbahn nach altem Brauch die Kartenspieler, umkreist von schweigenden Zuschauern. Diesmal wieder das gleiche Bild, nur die Tische waren in die Sonne gerückt und die spielenden und beobachtenden Rentner haben sich vervielfältigt. Ich stelle mir vor, dass sie Mittag heim gehen werden und das Essen fertig auf dem Tisch steht.

Tano jammerte, die neuen Rentner würden nicht mehr die alten Kartenspiele, die er kannte, spielen.

An der Bar erzählt uns ein alter Mann, dass er sein ganzes Leben auf dem Markt Zitronen und Petersilie verkauft hat. Wie hoch seine Rente jetzt ist, darüber sprach er nicht.

69. Internationale Handwerksmesse München „Meister der Moderne“

Tona und Tano besuchten die 69. Internationale Handwerksmesse München 2017 und schildern Ihre Eindrücke:

Ausstellung:

Am längsten hielten wir uns in der Sonderschau „Meister der Moderne“ auf. Beiträge aus den Werkbereichen Glas, Keramik, Metall, Schmuck, Textil und Holz waren zu sehen. Es nahmen 12 Keramikkünstler teil.

Besonders gut gefielen mir die Arbeiten von Maria Oriza aus Madrid. Sie verdrehte und verbog dünne Tonplatten. Durch anders-farbige Linien, die sie gleichmäßig darauf wiederholte, kam die Form noch stärker zur Geltung.

Konträr zu ihr fand ich den Weimarer Künstler Prof. Martin Neubert. Collage-artig und wild im Stil von Robert Rauschenberg baute er seine menschliche Figuren auf. Risse und Unebenheit glasierte und engobierte er bunt, matt und glänzend.

Ähnlich, doch gezielter aufgebaut war ein halb Meter großes Gefäß von Eddie Curtis  aus Großbritanien. Die Oberfläche mit den Verkrustungen und glänzenden Glasurflächen gefielen mir und erinnerten mich an eine Lavalandschaft.

Dorothee Pfeifer beschrieb oder bedruckte einfache rechteckige Tonplatten mit fortlaufenden Kringeln oder mit aufeinanderfolgenden kurzen Strichen.

Jane Perrymanns Schalen wirkten von weitem auf mich wie Gipsformen zum Gießen von Keramik. Sie entpuppten sich aber nach genauem Betrachten als wunderschöne doppelwandige Gefäße.

Wer den bayerischen Staatspreis bekommt ist noch nicht bekannt.

In der Halle:

An zwei Ständen, nicht weit voneinander entfernt, konnte ich zwei sehr unterschiedliche Porzellankünstlerinnen bewundern.

Claudia Biehnes Gefäße und Lampen waren reich verziert mit Abdrücken von Pflanzen und Spitzen. Ihre Formen waren zerknittert und gebeult. Ihre Arbeiten leuchteten effektvoll unter den vielen hellen Lampen.

Das Geschirr am Stand von Nika Stupica war ganz schlicht mit Linien oder Punkten verziert. Erst als Tano einen kleinen Becher ins Licht hielt sah man die Schönheit des Porzellans. Etwas wollte ich mir kaufen. Ich entschied mich für einen Becher mit senkrechten Strichen.

Am Stand der Dänischen Firma Petersen, die handgefertigte Ziegelsteine http://de.petersen-tegl.dk/produkte/ in unterschiedlichen Terrakottafarben herstellen, hielten wir uns lange auf. Am Schluss drückte uns ein netter Herr einen Ziegelstein als Geschenk in die Hände. Den schleppten wir dann durch die ganze Ausstellung bis nach Hause.

Weihnachtsbild von Riccardo

Tusche auf Papier von Riccardo Milazzo

Ein wunderschön passendes Bild von Riccardo für die Weihnachtszeit.

Ein Wanderer? Ein Hirte? Der Umhang, der Stab, die Nacht, die Sterne – was sagen sie aus? Riccardo überlässt es dem Betrachter.

Die Familie wünscht allen Freunden und Bekannten ruhige, erholsame Festtage und alles Liebe und Gute für das neue Jahr.

Weihnachtlicher Schlossmarkt Tegernsee

Der weiße Stoff unseres alten Marktschirmes schrumpfte beim Waschen. Tano kaufte einen neuen, einen terrakottafarbigen Ampelschirm. Schön war er, er hatte die gleiche Farbe, wie die Dächer der Tegernseer Weihnachtsbuden.

Außer uns, wird das aber niemanden aufgefallen sein.

Die Marktbesucher betrachteten über den Budendächern eher unsere Berge, den Walberg oder den künstlich beschneiten Sonnenbichl und zwischen den Ständen unseren schönen See.

Von unserem Stand aus, an der Westseite der Schlossanlage, sah ich direkt auf das Portal der Kirche. Vor genau 200 Jahren,1817, erwarb der erste König von Bayern Max I. Joseph die Gebäude des ehemaligen Benediktinerklosters und richtete hier seine Sommerresidenz ein. Er ließ durch den Architekten Leo von Klenze die Kirchenfassade und die Türme im damaligen klassizistischen Stil verändern.

Mit dem König kamen Kaiser und Adelige, Diplomaten und Künstler ins Tal. Es war der Anfang des Fremdenverkehrs.

An den Adventswochenenden kamen viele Gäste in unser Tal. Für jeden Besucher gab es etwas Schönes, für den einen waren es die die Berge, der See, die Schifffahrt – für den anderen die Kirche, das Bräustüberl, die Weihnachtsbuden.

Auch für mich und Tano war es schön. Wir hatten nette Kunden, viele anregende Gespräche und einige Bewunderer meiner selbstgemachten Keramikwerke. Einige wenige meinten es sei Ware aus China, aus Fimo oder Plastik. Einige hätten gern etwas, aber keinen Platz in der Wohnung dafür. Manche genierten sich, sie kämen später wieder vorbei. Ob sie nächstes Jahr vielleicht kommen?

Mit Bodo Kirchhoffs Novelle „Widerfahrnis“ in Kroatien

Ich lese schnell und oberflächlich. Beschreibungen von Wolken und Ausschmückungen von Gefühlswallungen überlese ich.

Diesmal, in Kirchhoffs Buch „Widerfahrnis“, stoppte mich auf der zweiten Seite ein 7-Zeilen langer, genau 53-Wörter langer Satz. Ich musste diesen Satz nochmal lesen. Dadurch vergaß ich die vorher überflogenen Sätze. Ich begann, nochmal von Anfang an zu lesen, nun langsam, bis zu dem 53iger Satz.

Am besten sollte ich den Schluss der Geschichte lesen, wie ich es meist bei einem neuen Buch tue und dann entscheiden, ob ich weiterlesen soll. Ich nahm mich zusammen, ließ es sein und las weiter.

Beim nächsten Halbsatz „Dafür war man hier, im oberen Weissachtal, der Welt des müden Lächelns entkommen“, wurde das Buch für mich spannend. Ein paar Seiten weiter, lässt der Schriftsteller den Protagonist Reither, einen ehemaligen Verleger, in der „Walberg-Residenz“ und an der Straße zum Achensee wohnen.

Ich war mit Tano diesem Tal gerade entronnen. Ich war in der Terme Tuhelj, 40 km entfernt von Zagreb. Während Tano beim Schwimmen war, lag ich mit dem Buch im Bett.

Ich las, für mich ungewöhnlich, langsam. Ich blieb an wunderschönen Sätzen hängen, wie an diesem: „Sie, zuletzt Besitzerin eines Hutgeschäftes; sie hat ihren Laden geschlossen, weil es der Zeit an Hutgesichtern fehlt, und er seinen Verlag dichtgemacht, weil es zunehmend mehr Schreibende als Lesende gibt“, oder dem Satz: „Reither griff nach den Zigaretten, nicht um gleich wieder zu rauchen, um etwas in der Hand zu haben, wenn ihm schon die Worte fehlten“ oder „Raucher waren Leute, die nicht gleich reden wollten, die sich erst sammelten und dabei ihre kleine Pantomime aufführten.“

Ich blieb sogar an einzelnen Wörtern hängen: Haare hatten die Farbe von Harz, von Tabak, Asche oder Pistazienschalen.

Vicolo della LanternaIn der Mitte des Buches, als Reither und die ehemalige Hutgeschäftbesitzerin Leonie Palm mit dem Auto nach Sizilien fahren und Catania erreichen, wurde ich schneller im lesen. Es war unsere Reiseroute in die Heimat von Tano. Sie fuhren so lange bis die Straße zu eng wurde und hielten dort an, wo einmal unsere Unterkunft war, an der Vicolo della Lanterna.

An diesem Punkt hielt ich es nicht mehr aus und blätterte zum Schlusssatz des Buches. Nur den Allerletzten lese ich, nahm ich mir fest vor, um die Spannung zu erhalten. Der Satz hatte 64 Wörter, genau 286 Buchstaben.

Ausstellung in der Villa Stuck – Sylvie Fleury

Tano und ich besuchten die Ausstellung in der Villa Stuck

Sylvie Fleury – My Life on the Road

Ein Regal versperrte zur Hälfte den Eingang. Nebeneinander und übereinander bis zur Decke waren darin Schuhe gestapelt. Es waren auffallende Stöckelschuhe, aber auch ausgetretene Latschen.

Auf einem Sims und auf dem Fußboden standen Einkaufstüten mit Firmenlogos. Auf einer Scheibe drehte sich ein vergoldeter Einkaufswagen. Ebenso aus Gold stand im Eck ein Papierkorb. Ich drängte mich durch den ersten Raum. Er war vollgestopft mit unterschiedlichsten Werken. Mir fallen nur noch die Plüschrakete, ein Sitzsack ähnliches Ding und ein Leuchtobjekt ein.

Sylvie Fleury ist bekannt für Inszenierungen von Mode und Luxusartikeln. Sie hinterfragt die Konsumwelt, ihren Wert und Einfluss. Der Kontrast zu den historischen, schweren und dunklen Räumen von Franz von Stuck irritierte mich. Es war natürlich so gewollt. Barbara Reitter-Welter schrieb, dass der Malerfürst Stuck (1863–1928) sich selbst und seine Villa zu einem Gesamtkunstwerk stilisierte. Genauso wie Sylvie Fleury, trennte er Kunst und Leben nicht.

http://www.welt.de/regionales/bayern/article157865001/-und-der-schoene-Schein-von-Luxus.htm

Ich tat mich etwas schwer, denn die Namen der Luxusartikel interessierten mich bisher nicht. Somit sah ich nicht, dass die angeschossenen und zerfetzten Taschen teure Chanel-Täschchen waren.

Ein Manko war für mich auch, dass ich nicht wusste, in welchem Raum von Stuck ich mich jeweils befand. Dabei hatte Fleury die ursprüngliche Funktion der einzelnen Räume sehr wohl im Blick. Ich wusste nicht, dass der Raum, in dem am Boden Schminksachen zerstreut lagen, früher das Schlafzimmer der Gattin war.

Eigentlich müsste ich die Ausstellung noch einmal besuchen.

Rochelle Feinstein im Lenbachhaus

Rochelle Feinstein im Lenbachhaus – I made a terrible mistake

Die Ausstellung von Rochelle Feinstein gefiel mir sehr gut, besonders ihr feiner Humor.

Zum Beispiel schien ein abstraktes Bild gemalt zu sein. Von nahem sah ich jedoch, dass ein kariertes Küchentuch aufgeklebt war. Schelmisch betitelte sie es mit “Flagge“. Vielleicht dachte sie dabei an eine Putzlappen schwenkende Hausfrau?

Witzig fand ich auch die Installation: „Before and After von 1999“. Am Boden lehnten an der Wand, neben und übereinander, unbemalte Leinwände. Amüsant war, dass am Ende dann ein Bild an der Wand hing, das ein Regal zeigte, in dem viele bemalte Leinwände gestapelt waren. Vielleicht wollte die Künstlerin auf Werke hinweisen, die sie nicht verkaufen konnte. Das Los so mancher Künstler.

In vielen ihrer Werke spielt die Sprache eine große Rolle. Über eine gesamte Wandfläche verteilt hingen große Bilder mit riesigen Comic-Sprechblasen mit dem Satz „Love your work“, jedoch rückwärts und teils nicht vollständig geschrieben. Auf einem Bild mit dem Titel Wrong war dieses Wort falsch in Spiegelschrift aufgemalt.

In einem Bericht des Bayerischen Rundfunks stand sehr schön: „Abstrakte Kunst vom elitären Sockel zu holen, und mit ganz alltäglichen Dingen vielschichtig aufzuladen, ist die Kunst von Rochelle Feinstein. Mit ihrem lakonischen, trockenen Humor hinterfragt die New Yorkerin die Mechanismen des Kunstmarktes.“

http://www.sueddeutsche.de/kultur/kunst-mehr-als-nur-eine-redensart-1.3026046

http://www.br.de/mediathek/video/sendungen/capriccio/rochelle-feinstein-lenbachhaus-102.html#tab=bcastInfo&jump=tab