Ostern 2017

Mit dem Skizzenbuch im Gepäck kam Pina zu ihren Eltern. Endlich hat sie einmal Zeit als Urban Sketcherin die schönen Ecken von Rottach-Egern zu entdecken. Daraus wurde nichts. Regen und nur 5 Grad Celsius hielten sie im Haus fest. Dafür entstanden wunderschöne Porträts der Eltern und von zwei ihrer Geschwister.

Pinas Skizzenbuch 2016

Pina lässt uns einen Blick in ihr Skizzenbuch werfen. Als wäre es geplant gewesen, ist es jetzt zum Jahresende fast bis zum letzten Blatt mit Zeichnungen gefüllt. Sie blättert darin und zeigt uns ihre mit Aquarellfarben kolorierten Bleistift- und Tuschezeichnungen, die im Laufe des Jahres 2016 entstanden sind. Pina war in München unterwegs, zeichnete dort bekannte Plätze und verborgene Straßenecken, alte und moderne Bauwerke. Auch ihre Besuche in Museen und Ausstellungen lässt sie uns miterleben. Sie beobachtete auch die Bewohner der Stadt, sei es auch nur beim Warten auf den Bus.

Weihnachtsbild von Riccardo

Tusche auf Papier von Riccardo Milazzo

Ein wunderschön passendes Bild von Riccardo für die Weihnachtszeit.

Ein Wanderer? Ein Hirte? Der Umhang, der Stab, die Nacht, die Sterne – was sagen sie aus? Riccardo überlässt es dem Betrachter.

Die Familie wünscht allen Freunden und Bekannten ruhige, erholsame Festtage und alles Liebe und Gute für das neue Jahr.

Rosstag in Rottach-Egern, „d´Fuhrleit kemman z´amm“

Heute Vormittag ging es auf dem Bauernhof gegenüber unserem Haus lebhaft zu. Autos mit Pferdeanhänger, Leute in bayrischer Tracht, Kutschen und besonders das Wiehern der Rösser erinnerten uns sofort, dass heute in Rottach-Egern der traditionelle Rosstag abgehalten wird.

Die Vorbereitungen zum Zug waren aufwendig: Die Pferde wurden ausgeladen und angespannt und ihre Schweife noch kunstvoll gebunden. Der Umgang mit den Tieren war sehr menschlich, wenn man das so sagen kann. Eins wurde durch einen sanften Tatscher am Hinterteil beruhigt. Ein Pferd hörte mit dem Stampfen auf, allein mit dem Zuruf „Sei stad, hear auf“. Ein anderes reagierte erst auf das Schimpfwort „du damischer Depp“.

Ich, mit Hocker und Sonnehut ausgerüstet, stand dann mit meiner Familie an der Seestraße und genoss den langen Festzug, unter dem Motto: D´Fuhrleut kemman z´samm! Im Mittelpunkt standen vor allem verschiedene Pferderassen. Ich kenne sie nicht, aber lese im Prospekt von Kaltblütern, Oberländern, Haflingern, Isländern, Friesen, Andalusiern und Araber Stuten, von Shetlandponys , Welshponys und Schettys Rappen. Die Kutschen, Stellwägen, Chaisen, Landauer und wie sie alle heißen waren aufwändig geschmückt.

Als erstes ritten im Zug die Polizeireiter aus Rosenheim und wie es sich bei uns gehört, saß im Landauer die Geistlichkeit. In frühere Zeiten versetzten mich die Bundeswehr-Tragtierkompanie aus Bad Reichenhall, die Bierwägen des herzoglichen Brauhauses Tegernsee und des Hofbräus München und die Postkutsche von 1890.
Unser Nachbar fuhr einen Kaltblut-Vierspänner, einem Vis-a-vies mit englischer Anspannung und der Sohn einen Kaltblut-Zweispäner mit einem Stellwagen.

Biennale von Venedig

2. Teil
>>> zum 1. Teil

Von Motorsägen und Rosenduft

Wer in diesem Jahr die Biennale besuchte, lernte zeitgenössische Künstler kennen. Jene Künstler, die sichtbare Dinge nicht nur zeichnerisch, malerisch oder plastisch darstellen, sondern umgekehrt, mit tatsächlichen Gegenständen Kunst machen. Marcel Duchamp war einer der Ersten. Er kaufte ein Urinal, signierte es und stellte es aus. Das war schon 1917. Er wird oft auch als Mitbegründer der modernen Kunst bezeichnet.

Gleich am Eingang der Arsenale sahen wir ein Werk des jungen, französisch-algerischen Adel Abdessemed (geb.1971). Als ich seine Schwerter sah, die in Blütenformen auf den Boden aufgesteckt waren, dachte ich an die Worte aus der Bibel: „Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen“.

Der bekannte Altmeister Bruce Naumann (geb. 1941) ließ mit Neonlichtschläuchen die Wörter „Human, Death, Pain, Life“ an die Wand schreiben. Ich kenne eine Neon-Installation von ihm, die im Münchner Museum Brandhorst ausgestellt ist.

Auch mit Worten drückt sich Adrian Piper (geb. 1948) aus. „Alles wird weggenommen werden“, steht 25-mal auf einer großen Tafel, mit Kreide geschrieben, teils leicht verwischt – es braucht keine Erklärung. Die in Amerika geborene Künstlerin lebt in Berlin und bekam in diesem Jahr den
Goldenen Löwen.

An der Decke hingen Knäuel von Motorsägen und Ölkanistern. Unwillkürlich zog ich meinen Kopf ein, als ich unter ihnen durch ging, so als könnten die schweren Geräte gleich runter fallen. Sie sahen so echt aus, pechverschmiert und ölig. Die Künstlerin Monica Bonvincini ist 1965 in Venedig geboren und lebt in Berlin.

Statt Bleistiftstriche auf Papier zieht die Japanerin Chihara Shiotas (geb. 1972) Linien und Schraffuren mit Wollfäden durch Räume. Anders als auf einem Blatt, kann die Künstlerin sie zu dreidimensionalen Flächen ordnen oder zu Knäuel weben. Sie spinnt Schuhe, Stühle und alle möglichen Dinge ein.
In der Biennale knüpfte sie 50.000 alte Schlüssel in ein rotes Fadengespinst ein und beleuchtete es mit rotem Licht. Die Künstlerin titulierte es „The Key in the Hand“. 400 Kilometer lang waren angeblich die roten Wollfäden.

Als ich in den niederländischen Pavillon eintrat, kam mir ein herrlicher Duft entgegen. Ich dachte, typisch Holland mit seine Tulpen. Es war aber ein Rosenduft, der von einem großen, runden Rosenknospen-Beet am Boden ausging.
Der niederländische Künstler Herman de Vries (geb. 1931), der in Deutschland lebt, war in jungen Jahren Gärtner. Er zeigt Naturbilder, besser gesagt, er ordnet Naturmaterialien zu Bildern. Aus verschieden Teilen Italiens sammelte er Erde und verarbeitete sie zu Farben. Für uns nichts Neues. Tano hat schon viele Engoben und Glasuren aus Erden entwickelt.

Vorwärts gingen wir rein und rückwärts wieder raus. Einkaufen wollten wir in dem kanadischen Tante-Emma-Laden nicht. Konnte man aber gar nicht. Also noch mal rein. Eine Plastikkatze auf dem Verkaufstisch winkte uns zu, als wir zur Keramikgießwerkstatt durchgingen. Da kannten wir uns aus. In den Regalen standen kitschige Figuren, fabrikmäßige Massenware, die noch nicht von den Fugen der Gipsformen entgrätet worden waren. Spuren vom Gießton sah man auf den Regalen und am Boden.
Im nächsten Raum, überall, neben- und übereinander Konservendosen, die mal als Farbtöpfe verwendet wurden. Ein Lebenswerk von mindestens drei Messies.
Drei Künstler waren es auch, die den Pavillon bespielten, das Trio BGL mit Jasmin Bilodeau, Sébastien Giguère und Nicolas Laverdiére. Alle drei sind im Alter meiner großen Kinder.

Eine ähnliche Idee hatte die Künstlerin Maria Papadimitrious (geb. 1957). Sie hat im griechischen Pavillon den Laden eines alten Leder- und Tierhautverkäufers aus ihrem Land verpflanzt. Alt und heruntergekommen sah der Einmannbetrieb aus. Er sollte vielleicht den jetzigen Zustand
Griechenlands zeigen.

Ich könnte noch viele Beispiele aufzählen, die den Gedanken von Marcel Duchamp fortsetzen: Glasscherben gab es im Nordischen Pavillon, Knochen und eine industrielle Sortiermaschine im Belgischen, Brot und Schwemmholz im Australischen, aufgespießte Fliegen im Belgischen.

 

Die Biennale in Venedig 2015

1. Teil

Leere Räume

Schon nach kurzer Zeit in den „Giardini della Biennale“ hatte ich das Gefühl, dass sich immer mehr Künstler zurück nehmen, sich in leere Räume zurückziehen und die Lücke ihr Thema ist.

Der schweizer Pavillon
war ganz leer geräumt. Nur grünes Licht füllte die Räume und ließ uns grün erscheinen. Wir Besucher belebten das Haus, als wären wir Darsteller von Aliens. Eine brusthohe Mauer stoppte uns vor dem letzten Zimmer. Es war mit Wasser gefüllt, das sich sanft bewegte. Es wunderte mich nicht, dass das Wasserbecken rosafarbig war. Ich dachte, dass wir nach so viel Grün die Komplementärfarbe sähen.
Den Clou der Sache las ich erst daheim im Internet. Die Künstlerin Pamela Rosenkranz (geb. 1979) ließ das Becken mit einer rosafarbenen Flüssigkeit füllen, die den Eindruck von Haut erzeugen sollte. Für sie ist die menschliche Haut schon lange das Thema ihrer Kunst. Den angeblichen Geruch von Babyhaut, der durch das Gebäude zog, hätte ich wahrscheinlich wahrgenommen, wenn ich es gewusst hätte.

Im österreichischen Pavillon
waren die Böden und Decken schwarz. Die Wände waren weiß getüncht. Kein Bild und keine Skulptur störten das Haus. In jeden Raum stand eine weiße, längliche Bank. Ich glaube, sie waren zum Sitzen gedacht.

Im französischen Pavillon
gab es einen Raum nur zum Ausruhen. Auf den Sofa ähnlichen Liegen hätten wir bequem ein Mittagsschläfchen machen können.
Doch wir waren wegen des, in der Presse vielbesprochenen, gehenden Baumes dort. Eine große Kiefer mit einem wuchtigen Wurzel-Erdballen stand in der leeren Halle. Vergeblich warteten wir, dass sie ihre Position änderte. Erst als wir ganz nah bei ihr standen, drehte sie sich um Millimeter. Die zwei Kiefernbäume vor dem Pavillon rührten sich gar nicht.
Wieder mal las ich erst daheim, dass die Bäume sich schneller bewegen, je größer die Menschenmenge ist. Als wir dort waren, bekamen sie scheinbar zu wenig menschliche Zuwendung.
Ob die lebendigen Bäume am Ende der Biennale noch leben werden? Die Wurzelballen wurden für die großen Räder und Rechner innen stark ausgehöhlt.

Im dänischen Pavillon
war ich von der Kargheit begeistert. Fast jedes Werk hatte einen eigenen Raum. So kamen sie richtig gut zur Geltung. In einem großen Raum lag auf dem Boden, wie vergessen, eine kleine Kiste mit einem antiken Fragment.
Besonders gut gefiel mir eine mittelalterliche Marienfigur. Sie stand vor einer roten Wand. Alle anderen Wände im Pavillon waren weiß. Die Madonna war so aufgestellt, als würde sie gleich vom steinernen Löwensockel kippen. Der Kontrast zwischen dem fein geschnitzten, glatten Gesicht, dem verwurmten und stark zerklüfteten Körper und dem steinernen Sockel war stark. Noch auffälliger und gegensätzlicher waren die Titel, die der Künstler Danh Vo dem religiösen Werk und auch all seinen anderen Werken gab. Es waren ordinäre, grobe Sätze aus dem Horrorfilm „der Exorzist“, der schon zwei Jahre vor Danh Vos Geburt (geb.1975) in den Kinos lief.

Der Pavillon von Uruguay
beeindruckte mich stark. Als ich eintrat, sah ich nur einen großen, leeren, weißen Raum. Eigenartig und komisch kamen mir die Besucher vor, die, fast mit der Nase an der Wand, den Putz betrachteten. Spinnweben meinte ich zu erkennen. Erst mit meiner Brille sah ich, dass an den Wänden an die hunderttausend, winzige Scherenschnitte aus weißem Papier klebten. Drei Monate dauerte es, bis der Künstler Marco Maggi (geb. 1957 in Montevido) die Klebezettel geschnitten hatte und zwei Monate soll es gedauert haben, bis die Wände von oben bis unten beklebt waren. Die Motive sahen aus wie Statik- oder Schaltpläne. Hin und wieder standen Millimeter dünne Stege oder Punkte etwas ab, sodass der Schatten dunkle Linien und Flächen dazu zeichnete. Der Künstler nannte sein Werk „Global Myopia“, Kurzsichtigkeit. Was er damit aussagen wollte, verstand man. Wie Kurzsichtige mussten sich die Besucher auf ein Detail konzentrieren. Der Künstler schärfte den Blick für das Unsichtbare, Unbedeutende und das Kleine. Das jetzt oft gebrauchte Wort Entschleunigung fiel mir ein.

Der deutsche Pavillon
war nicht leer, aber für manche Menschen versperrt. „Kein Zutritt für Besucher mit Rollstuhl, Kinderwagen, kurzem Atem oder schweren Beinen“, stand zwar nicht am Pavillon, aber es war so.
Die Ausgeschlossenen konnten den 1939 umgebauten Prunkbau der Nationalsozialisten von außen ausgiebig betrachten. Sie konnten Ausschau halten nach der angeblichen Werkstatt auf dem Dach. Vielleicht muss man nur lange genug hochschauen um raus zu bekommen, dass sie existiert.
Wir, die Privilegierten, durften uns durch einen versteckten, seitlichen Eingang zwängen und weil wir nicht all zu dick waren, kamen wir über eine enge, hohe Treppe in den ersten Ausstellungsraum. Oben angekommen, nach Luft hechelnd, setzte ich mich erst mal. Ich ersparte mir einen Rundgang und betrachtete von meinem Sitzplatz aus die ausgestellten Zeitungsseiten.

Wieder abwärts ging es zu einem futuristischen Videoraum. Die reale Welt hatte ich nun verlassen. Zum Glück gab es in der virtuellen Welt auch noch bequeme Liegestühle. Ich konnte Puste fürs erneute Hochgehen in die Wirklichkeit sammeln. Einen Ausgang gab es unten nicht.

Den Abstieg zu einem weiteren Raum, wieder ohne Ausgang, ersparte ich mir. Von oben sah ich sowieso nur kaputte Bodenfliesen.
Die Ideen und die Absichten der Künstler waren gut, etwas zu gut. Indem sie ein zweites Stockwerk einbauten und einen Teil des Bodens einreißen ließen, verlor der Raum das Prahlerische, Bombastische.
Mit den Fotos zeigten sie, wie ernst wir Deutsche die Probleme der Flüchtlinge nehmen, und mit den Videoraum, wie topaktuell und fortschrittlich wir sind.
Zu deutlich das Motto: wir sind bescheiden, problembewusst und zukunftsweisend.

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Ausstellung im Krankenhaus Agatharied

Wie feiert „Milazzo Art – Eine Familie und die Kunst“ den 70. Geburtstag der Mutter? Naheliegend wäre einer Ausstellung ihrer vergangenen Werke. Aber es wäre nicht in ihrem Sinn und so wurde daraus „Milazzo Art – eine Familie stellt aus“.

Eine Familie stellt aus - Ausstellung im Krankenhaus Agatharied

Tano hat selbst Grund zum Feiern. Er begeht im Herbst seinen 75sten. Aber bescheiden stand und steht er im Hintergrund, obwohl ohne ihm nichts ginge. Er gibt Tona die künstlerische Freiheit, indem er sich um alles Technische kümmert, angefangen vom Kreieren der Glasuren bis zum Glätten und Brennen der Figuren. So ganz nebenbei aber schnitt er unzählige Mosaiksteine aus Ton und glasierte sie einzeln mit dem Pinsel. Der Weg zu den Mosaikkugeln war nicht mehr weit und er begann die Betonkugeln dafür zu bauen.

Pina, die Älteste der vier Kinder, musste erst mühsam überredet werden, ihre Arbeiten in der Öffentlichkeit zu präsentieren. Ausrede war, dass die meisten Bilder in Skizzenblöcken zusammenbleiben sollten. Das stimmte nicht ganz. Sie hat viele einzelne Blätter mit Lithografien, Siebdrucken und Collagrafien und als Fachfrau für Mediengestaltung sollte es ihr nicht schwer fallen, Skizzen in Drucke umzuwandeln.

Riccardo, der Jüngste, ist der Beste von uns allen. Egal was er in die Hand nimmt, es entsteht ein Kunstwerk. Mit einem Bleistift der Stärke HB schafft er ein Bild in vielen Nuancen, vom Hellgrauen bis zum tiefsten Schwarz, vom zarten Strich bist zu dem, mit dem das Papier Struktur bekommt und sich wellt. Wenn er Tusche einsetzt, entsteht ein ganz anderes Genre: kleine Blätter, humoristisch, geistreich und beißend. Leichter und schneller zu verstehen sind sie als seine großen Zeichnungen, für die man Zeit braucht, Zeit die vielen Winkelzüge zu entdecken und noch mehr Zeit zum Ergründen seiner überschäumenden Phantasie.

Die Arbeiten von Tona sind ähnlich wie immer. Sie stellt ihre Plastiken der letzten vier Jahre aus. Bei der letzten Silvesterfeier flüsterte ihr Riccardo ins Ohr: „Jetzt beginnt dein Alterswerk“. Schaum ma amoi.

Cati und Luisa stellen nicht aus, aber unterstützen in ihrer Weise die Ausstellung, z.B. mit Ratschlägen zur Bilderwahl oder durch Textkorrekturen.

London

 

Zum ersten Mal war ich jetzt – mit 70 Jahren – in London. Die Besuche in den Galerien waren die Höhepunkte und ich habe in den vorhergehenden Blog-Einträgen darüber geschrieben. Aber auch alles rundherum, die Stadt und das Leben, war für mich höchst interessant. Ich danke meinen zwei großen Kindern, die mir die wunderschönen Tage ermöglicht hatten.

 

 Der blaue Hahn

Vier Säulen säumen den Trafalgar Square. Bei der vierten reichte das Geld für einen Bronzegeneral nicht mehr. Gelegenheit, jetzt abwechselnd eine moderne Plastik zu platzieren. Wir konnten den „blauen Hahn“ von der Düsseldorferin Katharina Fritsch sehen.

Zuvor war die nackte, schwangere Statue „Aliso Lapper pregnant“ von Marc Quinn aufgestellt, die ich im vorigen Jahr in Venedig sah.

Die Farbe Rot

Rot sind die Doppeldeckerbusse, die Telefonhäuschen, die Briefkästen und seit neuesten dürfen Taxis auch farbig, also rot sein. Am Straßenrand mit roten Streifen darf man nicht parken. Bei roter Ampel kann man die Straße überqueren, wenn kein Auto kommt.

Treppen

Schön waren die Treppen in der Tube, nur zu hoch und zu viele. Pina wäre jetzt fit, die 768 Treppen im Ulmer Münster zu besteigen. Als Kind beschwerte sie sich über den blöden Architekten des Turmes.

Linksverkehr

Look right, look left and look right again. Ich frage mich, ob die Beschriftung auf den Straßen extra für Ausländer gemacht wurde?

Reihenhäuser

In einfacheren Wohngebieten und in noblen Straßen konnten wir Town houses, Reihenhäuser, fotografieren, viele im viktorianischen Stil mit Backsteinziegel. Da muss man wohl die gute Nachbarschaft pflegen.

Full EnglishBreakfast

Hayward Gallery

Das dritte große Erlebnis in London war für mich in der Hayward Gallery die Ausstellung von Martin Creed (geb.1968) mit dem Titel „What´s the Point of it“.

Wir waren auf Sinnsuche.

Es ist nicht Kunst im üblichen Sinn, aber es ist sicher eine Kunst, wie Creed es schafft, dass man seine Werke nicht mehr aus dem Kopf bekommt. So war das Verbot zu fotografieren nicht schlimm.

Creeds Arbeiten sind teils einfältig, wie die Papierfetzen unter einem Sockelsturz. Unschuldig wie ein Kind baut er Kartons übereinander auf und klebt Knete an die Wand.

In einem Raum, in dem die Hälfte der Luft mit Luftballons gefüllt ist, freuten wir uns die Bälle hoch zu stoßen, doch bald suchten wir klaustrophobisch den Ausgang und standen dann wie Struwwelpeter mit statisch aufgeladenen Haaren wieder draußen.

Manches ist sehr fantasievoll und ansprechend, wie die bunte Mauer aus naturfarbigen Ziegelsteinen auf der Terrasse, die 1000 gerahmten Brokkolidrucke, die der Größe nach aufgestellten Kakteen oder die Schatten der eingeschlagenen Nägel.

Anderes, unappetitlich, wie ein Scheißhaufen, ein Video indem sich jemand erbricht.

Witzig fand ich ein großes Video von einer Erektion, draußen auf einer Terrasse aufgebaut, mit wunderschöner Aussicht auf London. Den Zugang dazu bewachte ein Aufseher. Wir konnten das Panorama genießen, wir waren 18.

Bei vielem wusste ich nicht, nennt man es Werk oder Installation, wenn z.B. das Licht nur ein und aus geht, die Tür auf und zu, der Klavierdeckel runterknallt oder der Vorhang sich öffnet und schließt. Nicht umsonst tituliert er alles nur mit Nummern.

Fast meine ich den Sinn doch noch gefunden zu haben.

Die Kunst, auf jeden Fall die Kunst von Creed, ist wie das Leben: lachen, Spaß haben, mit Körperfunktionen beschäftigt sein, im Dunklen gehen müssen und … und…

Einige Zeit saßen wir noch auf den bunten Sitzen vor dem Museum, betrachteten die Gallery von außen, einen wuchtigen Betonbau aus den 60er Jahren. Brutalismus nennen wir heute diesen Stil mit seinen geometrischen Formen und mit Sichtbeton, der Abdrücke der Schalung zeigt.