Vor 100 Jahren – Poesiealbum – Zur Erinnerung

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Glück umkränze deine Tage,
Froh und heiter sei dein Sinn.
Ohne Schmerz und ohne Plage,
Soll dein junges Leben blühen.

Tona fand den Vers in dem Poesiealbum der ursprünglich  ihrer Tante gehörte. Aus Sparsamkeitsgründen führte dann später ihre Mutter den halb vollen Album ihrer Schwester fort. 1917 war Tonas Mutter noch nicht mal geboren.

69. Internationale Handwerksmesse München „Meister der Moderne“

Tona und Tano besuchten die 69. Internationale Handwerksmesse München 2017 und schildern Ihre Eindrücke:

Ausstellung:

Am längsten hielten wir uns in der Sonderschau „Meister der Moderne“ auf. Beiträge aus den Werkbereichen Glas, Keramik, Metall, Schmuck, Textil und Holz waren zu sehen. Es nahmen 12 Keramikkünstler teil.

Besonders gut gefielen mir die Arbeiten von Maria Oriza aus Madrid. Sie verdrehte und verbog dünne Tonplatten. Durch anders-farbige Linien, die sie gleichmäßig darauf wiederholte, kam die Form noch stärker zur Geltung.

Konträr zu ihr fand ich den Weimarer Künstler Prof. Martin Neubert. Collage-artig und wild im Stil von Robert Rauschenberg baute er seine menschliche Figuren auf. Risse und Unebenheit glasierte und engobierte er bunt, matt und glänzend.

Ähnlich, doch gezielter aufgebaut war ein halb Meter großes Gefäß von Eddie Curtis  aus Großbritanien. Die Oberfläche mit den Verkrustungen und glänzenden Glasurflächen gefielen mir und erinnerten mich an eine Lavalandschaft.

Dorothee Pfeifer beschrieb oder bedruckte einfache rechteckige Tonplatten mit fortlaufenden Kringeln oder mit aufeinanderfolgenden kurzen Strichen.

Jane Perrymanns Schalen wirkten von weitem auf mich wie Gipsformen zum Gießen von Keramik. Sie entpuppten sich aber nach genauem Betrachten als wunderschöne doppelwandige Gefäße.

Wer den bayerischen Staatspreis bekommt ist noch nicht bekannt.

In der Halle:

An zwei Ständen, nicht weit voneinander entfernt, konnte ich zwei sehr unterschiedliche Porzellankünstlerinnen bewundern.

Claudia Biehnes Gefäße und Lampen waren reich verziert mit Abdrücken von Pflanzen und Spitzen. Ihre Formen waren zerknittert und gebeult. Ihre Arbeiten leuchteten effektvoll unter den vielen hellen Lampen.

Das Geschirr am Stand von Nika Stupica war ganz schlicht mit Linien oder Punkten verziert. Erst als Tano einen kleinen Becher ins Licht hielt sah man die Schönheit des Porzellans. Etwas wollte ich mir kaufen. Ich entschied mich für einen Becher mit senkrechten Strichen.

Am Stand der Dänischen Firma Petersen, die handgefertigte Ziegelsteine http://de.petersen-tegl.dk/produkte/ in unterschiedlichen Terrakottafarben herstellen, hielten wir uns lange auf. Am Schluss drückte uns ein netter Herr einen Ziegelstein als Geschenk in die Hände. Den schleppten wir dann durch die ganze Ausstellung bis nach Hause.

Ist das Kunst?

Manaf Halbounis Installation „Monument“ vor der Dresdner Frauenkirche
Manaf Halbounis Facebook-Seite
Artikel auf Wikipedia

Ich war sehr bewegt als ich über die Hintergründe seines Kunstwerks erfahren habe (siehe Links oben) und eigentlich war es nur als kurzer Post auf Manaf Halbounis Facebook-Seite geplant. Als ich dann jedoch die Kommentare dort las, berührte es mich emotional sehr tief und ich begann, um seine Kunst zu verteidigen, folgenden Text zu verfassen. Da er etwas länger ausgefallen ist, veröffentliche ich ihn nun hier auf unserem Blog.

Ist das Kunst?

Da ich dieses Werk sehr interessant finde, will ich den Menschen, die sich schwer tun es anzuerkennen, ein paar Hilfen anbieten, Verständnis dafür zu entwickeln und Zugang zur Kunst zu erhalten. Gleichsam will ich dem Werk und dem Künstler hiermit auch meine kleine Anerkennung darbringen. Kunstverständnis ist nicht einfach; über die Kunst werden seit je her hitzige Debatten geführt und sicherlich ist es gar nicht möglich, dass jedem Menschen alle Formen der Kunst gefallen können. Trotzdem kann jeder, der sich einer gewissen offenen und unvoreingenommenen Auseinandersetzung stellt, leicht Respekt für die Kunst in all ihren Fassetten entwickeln. Weiterlesen

Neues Jahr – neue Bilder von Riccardo

Eine Auswahl – alle Bilder sind mit Pigmenttusche auf Papier gezeichnet.

Selbsthärtende Tonmasse

Ich habe die selbsthärtende Tonmasse “Intense“ ausprobiert, die man in Deutschland bei Keramikbedarf Zinser beziehen kann.
Zuerst war ich sehr skeptisch, doch dann überrascht, wie leicht sich die Masse verarbeiten ließ. Die Beschreibung „rissfrei trocknend“ war für mich der Anlass den Ton mit Holz und Ziegelstein zu verbinden. Diese extreme Verarbeitung klappte.


Der selbsthärtende Ton ersetzt für mich nicht den normalen Ton. Der Reiz dieses Tones ist, dass er nicht schrumpft und deshalb mit verschiedenen Materialien kombiniert werden kann. Auf Lufteinschlüsse und Wandstärke muss man bei der Masse nicht achten.

Zum Abschluss des Jahres neue Bilder von Riccardo.

Zum Abschluss des Jahres neue Bilder von Riccardo.

Man meint sie deuten zu können. Aber nur deshalb, weil man weiß, dass sie zwischen Weihnachten und Silvester gemalt wurden. Das Gesicht gleicht einem Schmuckanhänger auf dem Weihnachtsbaum. Der Augenstern funkelt obwohl er nur schwarz ist. Der knorrige Baum in Form einer buckeligen Alten könnte die Zukunftsängste andeuten, die bunten Bilder die Hoffnung.

Wie immer lässt Riccardo die Deutung jedem Betrachter offen.

Pinas Skizzenbuch 2016

Pina lässt uns einen Blick in ihr Skizzenbuch werfen. Als wäre es geplant gewesen, ist es jetzt zum Jahresende fast bis zum letzten Blatt mit Zeichnungen gefüllt. Sie blättert darin und zeigt uns ihre mit Aquarellfarben kolorierten Bleistift- und Tuschezeichnungen, die im Laufe des Jahres 2016 entstanden sind. Pina war in München unterwegs, zeichnete dort bekannte Plätze und verborgene Straßenecken, alte und moderne Bauwerke. Auch ihre Besuche in Museen und Ausstellungen lässt sie uns miterleben. Sie beobachtete auch die Bewohner der Stadt, sei es auch nur beim Warten auf den Bus.

Weihnachtsbild von Riccardo

Tusche auf Papier von Riccardo Milazzo

Ein wunderschön passendes Bild von Riccardo für die Weihnachtszeit.

Ein Wanderer? Ein Hirte? Der Umhang, der Stab, die Nacht, die Sterne – was sagen sie aus? Riccardo überlässt es dem Betrachter.

Die Familie wünscht allen Freunden und Bekannten ruhige, erholsame Festtage und alles Liebe und Gute für das neue Jahr.

Weihnachtlicher Schlossmarkt Tegernsee

Der weiße Stoff unseres alten Marktschirmes schrumpfte beim Waschen. Tano kaufte einen neuen, einen terrakottafarbigen Ampelschirm. Schön war er, er hatte die gleiche Farbe, wie die Dächer der Tegernseer Weihnachtsbuden.

Außer uns, wird das aber niemanden aufgefallen sein.

Die Marktbesucher betrachteten über den Budendächern eher unsere Berge, den Walberg oder den künstlich beschneiten Sonnenbichl und zwischen den Ständen unseren schönen See.

Von unserem Stand aus, an der Westseite der Schlossanlage, sah ich direkt auf das Portal der Kirche. Vor genau 200 Jahren,1817, erwarb der erste König von Bayern Max I. Joseph die Gebäude des ehemaligen Benediktinerklosters und richtete hier seine Sommerresidenz ein. Er ließ durch den Architekten Leo von Klenze die Kirchenfassade und die Türme im damaligen klassizistischen Stil verändern.

Mit dem König kamen Kaiser und Adelige, Diplomaten und Künstler ins Tal. Es war der Anfang des Fremdenverkehrs.

An den Adventswochenenden kamen viele Gäste in unser Tal. Für jeden Besucher gab es etwas Schönes, für den einen waren es die die Berge, der See, die Schifffahrt – für den anderen die Kirche, das Bräustüberl, die Weihnachtsbuden.

Auch für mich und Tano war es schön. Wir hatten nette Kunden, viele anregende Gespräche und einige Bewunderer meiner selbstgemachten Keramikwerke. Einige wenige meinten es sei Ware aus China, aus Fimo oder Plastik. Einige hätten gern etwas, aber keinen Platz in der Wohnung dafür. Manche genierten sich, sie kämen später wieder vorbei. Ob sie nächstes Jahr vielleicht kommen?

Mit Bodo Kirchhoffs Novelle „Widerfahrnis“ in Kroatien

Ich lese schnell und oberflächlich. Beschreibungen von Wolken und Ausschmückungen von Gefühlswallungen überlese ich.

Diesmal, in Kirchhoffs Buch „Widerfahrnis“, stoppte mich auf der zweiten Seite ein 7-Zeilen langer, genau 53-Wörter langer Satz. Ich musste diesen Satz nochmal lesen. Dadurch vergaß ich die vorher überflogenen Sätze. Ich begann, nochmal von Anfang an zu lesen, nun langsam, bis zu dem 53iger Satz.

Am besten sollte ich den Schluss der Geschichte lesen, wie ich es meist bei einem neuen Buch tue und dann entscheiden, ob ich weiterlesen soll. Ich nahm mich zusammen, ließ es sein und las weiter.

Beim nächsten Halbsatz „Dafür war man hier, im oberen Weissachtal, der Welt des müden Lächelns entkommen“, wurde das Buch für mich spannend. Ein paar Seiten weiter, lässt der Schriftsteller den Protagonist Reither, einen ehemaligen Verleger, in der „Walberg-Residenz“ und an der Straße zum Achensee wohnen.

Ich war mit Tano diesem Tal gerade entronnen. Ich war in der Terme Tuhelj, 40 km entfernt von Zagreb. Während Tano beim Schwimmen war, lag ich mit dem Buch im Bett.

Ich las, für mich ungewöhnlich, langsam. Ich blieb an wunderschönen Sätzen hängen, wie an diesem: „Sie, zuletzt Besitzerin eines Hutgeschäftes; sie hat ihren Laden geschlossen, weil es der Zeit an Hutgesichtern fehlt, und er seinen Verlag dichtgemacht, weil es zunehmend mehr Schreibende als Lesende gibt“, oder dem Satz: „Reither griff nach den Zigaretten, nicht um gleich wieder zu rauchen, um etwas in der Hand zu haben, wenn ihm schon die Worte fehlten“ oder „Raucher waren Leute, die nicht gleich reden wollten, die sich erst sammelten und dabei ihre kleine Pantomime aufführten.“

Ich blieb sogar an einzelnen Wörtern hängen: Haare hatten die Farbe von Harz, von Tabak, Asche oder Pistazienschalen.

Vicolo della LanternaIn der Mitte des Buches, als Reither und die ehemalige Hutgeschäftbesitzerin Leonie Palm mit dem Auto nach Sizilien fahren und Catania erreichen, wurde ich schneller im lesen. Es war unsere Reiseroute in die Heimat von Tano. Sie fuhren so lange bis die Straße zu eng wurde und hielten dort an, wo einmal unsere Unterkunft war, an der Vicolo della Lanterna.

An diesem Punkt hielt ich es nicht mehr aus und blätterte zum Schlusssatz des Buches. Nur den Allerletzten lese ich, nahm ich mir fest vor, um die Spannung zu erhalten. Der Satz hatte 64 Wörter, genau 286 Buchstaben.