Von der Meta-Gadesmann-Straße zu Herbert Beck

Bis zum 30. September kann man die Ausstellung „Herbert Beck trifft Emil Nolde. Inspiration und Umsetzung“ im Gulbranssonmueum besuchen.

Ich freue mich, dass ich das Ehepaar Beck noch kennen lernen durfte. Wir trafen uns nicht nur bei einem kleinen Ratsch auf der Straße, sondern jedes Jahr bei Fachgesprächen in der Tegernseer-Tal-Ausstellung. Sie waren jedes Jahr mit ihren neuesten Werken dabei. Besonders freut es mich natürlich, dass ihnen meine Plastiken gefielen. Herbert Beck hat die Ausstellung vor 68 Jahren mit Olaf Gulbransson,Thomas Baumgartner und Ilse Hausner-Witschel ins Leben gerufen.

Von den beiden Becks erfuhr ich auch die Geschichte unserer Meta-Gadesmann-Straße, nach dem sie mich nach meiner Adresse gefragt hatten.

Er erzählte, dass er in den 50iger Jahren oft in dem Haus der Kunstsammlerin Meta Gadesmann war. Dort trafen sich regelmäßig Kunstinteressierte bei Teestunden und rauschenden Festen. Beck schwärmte, dass ihm dabei Bilder von bekannten Künstlern umgaben, wie Picasso, Modigliani, Corinth und Chagall.

1958 macht er im Haus von Meta Gadesmann Bekanntschaft mit der Kunsthändlerin und Sammlerin Hanna Bekker vom Rath. Sie unterstützt seine Karriere als Maler und nahm viele seiner Werke in ihre wichtige Sammlung Deutscher Expressionisten auf.

Er lernte dort auch die Malerin Ida Kerkovius kennen, in deren Privatsammlung seine Bilder neben Klee, Jawlensky und Kirchner hingen. Im Internet las ich, dass sie zum Stuttgarter Kreis der Avantgardisten gehörte und zu den bedeutenden weiblichen Vertreterinnen der Klassischen Moderne in Deutschland zählt.

Frau Gadesmann war einmal enge Mitarbeiterin des Chefs der weltbekannten jüdischen Firma „Telefonbau & Normalzeit“ in Frankfurt. In der Hitlerzeit wurde sie inhaftiert, weil sie Gelder ins Ausland verschob, um jüdischen Freunden bei der Existenzgründung im Exil zu helfen.

Herbert Beck schenkte mir und meinem Mann einmal seinen Katalog. Für eine Widmung hatte er keine Zeit. Er würde es einmal nachholen. Leider kam er nicht mehr dazu.

Einen Einblick in Becks Atelier zeigt das folgende Video:
https://www.youtube.com/watch?v=wZ-UXGcOwpY

Riccardo stellt aus „Kultur im Oberbräu“

Riccardo zeigt vom 1.7.18  ab bis Ende September seine Bilder im „Kultur im Oberbräu“ Holzkirchen.  Am Sonntag um 15 Uhr eröffnet er sie.

Riccardo sagt:

Wichtig ist mir, dass sich der Betrachter selbst in meinen Bildern wiederfindet und seine eigenen Deutungen sucht. Ich möchte Menschen einerseits zum Nachdenken anregen und anderseits mit witzigen Pointen zum Lachen bringen.

Im Programmheft der Ausstellungen im Kultur im Oberbräu steht:

Der junge Künstler zeigt seine aktuellen Arbeiten zum Thema Beziehungen. Ursprünglich in Pigmenttusche auf Papier sieht man in seinen Bilder zum ersten Mal im großen Digitaldruck auf Leinwand. Dabei überträgt er das komplexe menschliche zusammenleben in ebenso simple wie aussagekräftigen Formen und füllt damit den Raum zwischen utra-komplexen und extra-ordinären Zusammenhängen des täglichen Lebens.

Paul Klee Ausstellung, Pinakothek der Moderne

Ich war mit Tano und Cati in der Pinakothek der Moderne. Wir besuchten die Ausstellung von Klee, „Konstruktion des Geheimnisses“.

Gleich beim Eintreten war ich verwirrt, ein Teil des Museums schien umgebaut. Es gab spitz zulaufende Wände, Nischen und Vorsprünge. Cati erkannte sofort, dass alles beim alten geblieben ist. Die Wände waren nur raffiniert mit Farbe und Linien perspektivisch verändert. Eine ausgeklügelte optische Täuschung! So verwinkelt wie die Bilder von Klee.
Ich mochte seine (oder Klees) Bilder schon immer. In jungen Jahren klebte ich Abbildungen seiner Werke in Postkartengröße an die Wand.

Eine meiner ersten Keramikarbeiten waren Vögel, in ähnlicher Form, wie sie Klee 1923 in dem Bild „Landschaft mit gelben Vögeln“ malte.

Die Schiffe sind jetzt ganz neu entstanden, angeregt von dem Bild, “Schiffe im Dunkeln“, 1927.

Alle Plastiken sind aus Steinzeug, glasiert und gebrannt bei 1250°C

Rehaklinik St. Irmingard

Tona schreibt über die Rehaklinik St. Irmingard

Die Rehaklinik verglich ich mit einer Rettungsinsel, auf der man wieder aufgepäppelt und betreut wird. Es gibt reichlich Essen und Therapeuten bereiten einen wieder fürs Festland vor.
Die Geretteten erzählen sich untereinander von ihren Erlebnissen auf „stürmischer See“, fast anteilslos, so als hätten sie darüber den gleichen Artikel in der Zeitung gelesen; nur leicht unterschiedlich wiedergegeben und interpretiert.
Umsonst hatte ich Anorak und Handschuhe eingepackt und viel zu viele Bücher, Zeitschriften, Farben und Bleistifte. Das Wetter wurde sommerlich und die Zeit reichte nicht zum Lesen, sie verging so schnell wie daheim.


Nur in der Erinnerung scheint sich die dort erlebte Zeit zu dehnen. Ich denke immer wieder zurück, an die Patienten mit ihren Smartphones in Händen, die freundliche Putzfrau, das Abschiedsgeschenk der Tischgenossen und an die Ankunft daheim. 107 Tulpen zählte ich am Straßenrand entlang unseres Zaunes.
Das größte Mitbringsel war, dass der Kaffee wieder schmeckt und die Arbeit mit Ton immer noch Freude macht.

Plastik: „Einsam gemeinsam oder umgekehrt gemeinsam einsam“

Steinzeug unglasiert aus zementfarbigen Ton, gebrannt bei 1250°C

Gabriele Münter, Ausstellung Kunstbau des Münchner Lenbachhauses

Gabriele Münter. Malen ohne Umschweife.

Tano und ich trafen uns mit unseren Münchner Kindern und besuchten zusammen die Ausstellung „Gabriele Münter. Malen ohne Umschweife“ im Kunstbau des Münchner Lenbachhauses.
Der Austausch untereinander hob unsere Stimmung. Es war spannend welches Bild jeder von uns favorisierte.
Mir fiel auf, dass Münter je nachdem was sie malte die Stile wechselte. Doch als ich vor ihren drei Bildern „im Cafe“ alle aus dem Jahre 1914 stand, staunte ich. Sogar die gleiche Szene malte sie einmal naturalistisch, dann expressionistisch und abstrakt. Sie spielte mit dem Pinsel, als suche sie nach ihrem Stil. Selbst eine Kinderzeichnung motivierte sie zu dem Bild „Landschaft mit Haus“. Eine süddeutsche Heilig-Geist-Taube, eine Devotionale aus dem 19 Jahrhundert beflügelte sie zu drei Bildern mit den Titeln „Stilleben Pfingsten“, „Tiroler Stillleben“ und „Stillleben Pfingsten“.
Bald hätte ich das Lieblingsbild meiner Tochter übersehen: Eine Frau die in der Trambahn sitzt und ihre Einkäufe, mehrere Pakete, eine rote Blume und ein Täschchen auf dem Schoß hält. Gabriele Münters Begeisterung für die Bauarbeiter an der Baustelle der Strecke der Olympiastraße 1935-37 konnte Tano nicht teilen.

„zwei Damen mit Mütze“

Anschließend erholten wir uns im Café.
Die Krönung des Tages, das i-Tüpfelchen, erlebte ich dann am Abend als wir wieder daheim waren. Pina mailte uns ihr wunderschönes Aquarell „zwei Damen mit Mütze“. Sie war von der Ausstellung so inspiriert, dass sie zu Hause sofort den Pinsel schwang. Bei der Farbwahl war sie etwas mutiger als sonst.

Neues Jahr 2018 mit Zeichnungen von Riccardo

Riccardo ist dieses Jahr der erste der Familie, der unseren Blog mit seinen Bildern bereichern kann. Er eröffnet mit seinen Zeichnungen das Jahr 2018.

Es sind Zeichnungen in der Größe DIN A4, Pigmenttusche auf Papier. Alle noch ohne Titel.

Ausstellung: Fernando Botero Museum Moderner Kunst Passau

Ausstellung im Museum Moderner Kunst Wörlen in Passau – Boterosutra

Der Zug, in dem wir saßen, bewegte sich nicht mehr. Tano und ich mussten umsteigen. Als wir endlich vor dem Tor des Passauer Museums standen, waren, mit dem Fußweg entlang der Donau, fünfeinhalb Stunden vergangen.

Am Eingang warnte ein Zettel, dass die Bilderschau nicht für unter 16-jährige geeignet ist. Verständlich, denn ich las daheim schon, dass der Künstler Fernando Botero sich von der indischen Liebenskunst aus dem Kamasutra anregen lies. Er nannte seine Bilderserie selbstironisch sogar Botero-Sutra.

Wer sich erhoffte, pornografische Szenen zu sehen, wurde enttäuscht. Die nackten Körper waren füllig überzeichnet, doch die Geschlechtsteile konnte man nur erahnen. Dagegen waren Arme, Busen, und Beine übertrieben voluminös dargestellt. Erotisch und verführerisch wirkten die Körper nur durch die zarten, trotzdem leuchtenden Hautfarben. Abgelenkt haben mich Details, wie die Schleife im Haar der Frau, die Armbanduhr am Gelenk des Mannes oder das Muster des Betttuches.

Am Ende unserer Besichtigung war ich müde und meine Augen waren satt. Auf den 70 ausgestellten Bildern, alle mit dem gleichen Thema und dem gleichen Mann, veränderte sich nur die Lage der Liebenden, von oben nach unten und von links nach rechts. In der Erinnerung verschmolzen die vielen ähnlichen Bilder zu Einem.

Abends um halb neun waren wir wieder daheim. Tano und ich bereuten die kleine Ober-Niederbayerische-Weltreise aber nicht.

Ein Gedicht: Silence mind

Ein Gedicht von Riccardo – über Unsinn und Sinn – oder –  Sinn und Unsinn

Silence mind

The sky is pink and the sea is purple,
the earth is white and the grass is blue,
someone went crazy and the meaning is void.

Between the verses is silence,
who is there to pronounce?

The sky is being and the sea is lost,
the earth is blown and the tree is sense,
someone ate the meadow and a donkey weeps.

Between the verses is silence,
who is there to pronounce?

Who wants to read a mad mans hope?
To the sense of nothing, to the bone.
There is no rhyme…

Between the verses is silence,
who is there to pronounce?

There is nothing to understand or find.
Would ‚ be something between the verses,
if there is someone to pronounce and find.

Silence mind,
think what you want,
I’m just bored in his hell of creation,
Believe me, the sky is being
there to pronounce.

In the end is silence.
A fairy’s soft voice,
pronouncing,
Hope.

Versuch einer Übersetzung

Sei still Geist

Der Himmel ist rosa und das Meer ist lila,
die Erde ist weiß und das Gras ist blau,
jemand wurde verrückt und die Bedeutung ist nichtig.

Zwischen den Versen ist Stille,
Wer ist da, um auszusprechen…?

Der Himmel ist das Dasein und das Meer ist verloren,
die Erde ist weggeblasen und der Baum ist der Sinn,
jemand aß die Wiese und ein Esel weint.

Zwischen den Versen ist Stille,
Wer ist da, um auszusprechen…?

Wer will eines verrückten Mannes Hoffnung lesen?
Bis zum Nichts, bis zum Knochen.
Es gibt keinen Reim …

Zwischen den Versen ist Stille,
Wer ist da, um auszusprechen…?

Es gibt nichts zu verstehen oder zu finden.
Wäre etwas zwischen den Versen,
wenn jemand es ausspricht und findet.

Sei Still Geist!
Denk was du willst,
Ich bin nur gelangweilt in seiner Hölle der Schöpfung,
Glaub mir, der Himmel ist Da(das Dasein)
um es auszusprechen.

Am Ende ist Stille.
Die sanfte Stimme einer Fee,
Aussprechend:
Hoffnung.


68. Ausstellung Tegernsee

Seit über 25 Jahre beteilige ich mich an Ausstellungen in unserem Landkreis. Es dauerte aber lange, bis ich mich überwand, ein Kunstwerk bei der Tegernseer Ausstellung abzugeben. Zu bekannt fand ich die Künstler, die damals ausstellten. Vor allem die Gründerväter wie Olaf Gulbransson, Thomas Baumgartner und Herbert Beck schüchterten mich ein. „Der Kuss“ war dann meine erste Arbeit, die ich abgab und dann gezeigt wurde.

Inzwischen gehöre ich, wie dieses Jahr Ingrid Versen in einem Artikel schrieb, zu den alten Künstlern.

Meine Arbeiten haben meist politischen Hintersinn, leicht satirische Züge – so auch diesmal die Plastiken „der Unterschreiber“ und „Trumps Unterschrift“.

Eine ganz persönliche Arbeit ist jedoch die Figur mit dem Titel „der rote Krebs“. Eine Frau, die ihre Haare verloren hat, hält einen roten Krebs in Händen. Viele Besucher sahen darin keine Kranke, sondern einen buddhistischen Mönch, der liebevoll eine rote Blume umfasst.

Der Zuspruch von Freunden und die Tatsache, dass sie ausgestellt wurde, freut mich.

Dass Riccardo seit einigen Jahren auch in Tegernsee ausstellt, macht mich stolz.

Lange vor der Tegernseer Ausstellung rückte Riccardo ein weißes Statuenpodest in die Mitte unseres Wohnzimmers und stellte darauf eine verwitterte Figur, ein stilisiertes Gesicht, das er einmal aus Steinzeug modellierte. Lange Zeit, Sommer wie Winter, stand sie unbeachtet draußen.

Begeistert war ich von dem Umzug ins Haus nicht. Doch jedes mal, wenn ich ihr aus dem Weg gehen musste, gefielen mir die Flecken, Punkte und Farbverläufe der Naturpatina auf der Figur besser. Erst in der Ausstellung sah ich, dass er sie mit einem abstrakten Acrylbild kombinierte. Das abstrakte Bild verwandelte sich zum Koi-Teich, in den das Gesicht blickt. „Duck and Cover“ nannte Riccardo das Exempel.

https://www.facebook.com/Kulturvision/photos/pcb.1413015012081763/1413014382081826/?type=3&theater

http://www.kulturvision-aktuell.de/68-tegernseer-kunstausstellung-2017/

Meine neuen Plastiken

Ich greife gerne aktuelle soziale und politische Probleme auf, setze den Alltag in Plastiken um.

Dass ich mit den Plastiken „Der Unterschreiber“ und „Präsidenten-Unterschrift“ den Donald Trump karikiere, glaube ich erkennt man.
Wie lange wird das Thema aktuell sein? Politik ist schnelllebig im Gegensatz zu meinen Steinzeugfiguren, die bei 1250°C gebrannt wurden.

„Der rote Krebs“ ist meine neueste Plastik zum Thema Krebserkrankung.

Anlass zum „OP-Hemd“ gab mir ein Stein aus der Weißach, den Riccardo mir schenkte. Wie gemeißelt wirken darin die tiefen Runen, gleich einem gerunzelten, zufriedenen Gesicht. Eine alte Frau im letzten Hemd, war mein erster Gedanke. Das war mir aber dann zu ernst und ich stellte lieber die Hoffnung vor einer Operation dar.