Es war einmal – Vom Keller zum Christkindlmarkt

Im November verbrachte ich früher die meiste Zeit im Keller, dort, wo unsere Töpferwerkzeuge liegen und der Brennofen steht. Dieses Jahr bleibt alles still: Kein Ton wird geformt, keine Glasur angerührt, der Ofen bleibt kalt. Nach einem kurzen Krankenhausaufenthalt hat mein lieber Mann Tano uns vom Tegernseer Christkindlmarkt abgemeldet. Es ist richtig so – auch wenn ein bisschen Wehmut bleibt.

Trotzdem werde ich oft im Keller sein, zum Aufräumen, Sortieren und Erinnern.
Ich denke gern zurück: an den ersten Tegernseer Christkindlmarkt in der Rosenstraße, initiiert vom Bürgermeister Luschner, der uns damals herzlich unterstützte. Unsere kleine Hütte war offen, der Wind eisig, und während ich fror, strickte unsere Nachbarin fleißig Socken und verkaufte sie gleich dazu.

Mit den Jahren zog der Markt in den Kurgarten und schließlich an den schönsten Platz: unten im Tal, gegenüber der Pfarrkirche und dem Bräustüberl, mit See und Bergen im Rücken. Die ersten Besucher waren die Enten – neugierig oder protestierend? Bald kamen die Menschen, in Wellen, zwischen Bus- und Zugzeiten.

Am schönsten war für uns, dass aus manchen Besuchern Freunde wurden, die jedes Jahr kamen und ihre Krippen mit unseren Figuren ergänzten. Große Hilfe erhielten wir immer von Herrn Hans Staudacher, dem Geschäftsleiter der Stadt, der sich nie zu schade war, selbst in die kleinste Ecke zu kriechen, um den Stromkontakt zu richten.
Es war anstrengend und doch wunderschön.

Vielleicht verirrt sich ja einmal ein ehemaliger Christkindlmarktbesucher zu uns nach Hause. Im Keller gäbe es bestimmt noch einen kleinen Vogel für den Frühlingsgarten.

Unsere Vögel im Kellerregal

Weihnachten 2024

Wie jedes Jahr waren die Gespräche mit den Besuchern auf dem Christkindlmarkt in Tegernsee schön. Besonders freute ich mich über den Besuch zweier ehemaliger Internatsfreundinnen und zweier Krippenliebhaber, die extra aus München angereist waren.

Dieses Jahr war ich besonders stolz auf meine beiden neuen Keramik-Krippen. Ich präsentierte zwei außergewöhnliche Darstellungen: einmal den Zug der Könige mit Kamelen und einmal eine Version mit Elefanten, beide auf dem Weg zur Krippe. Doch gerade diese besonderen Werke blieben leider oft unbeachtet. Die Besuchergruppen, die sogar aus Nürnberg mit dem Bus anreisten, hatten einfach keine Zeit, um alle drei Märkte mit dem Schiff zu besuchen und gleichzeitig die Stände in Ruhe zu entdecken.

Zu Hause verbrachten wir die meiste Zeit mit unseren Liebsten rund um unseren großen Tisch. Mein Mann Tano sorgte unermüdlich dafür, dass die Platten mit köstlichen, vor allem sizilianischen Spezialitäten immer wieder aufgefüllt wurden. Keine Fernsehnachrichten störten unsere gemütliche Runde.

Es mag altmodisch erscheinen, aber immer wieder erklangen traditionelle Weihnachtslieder, und es war unser jüngstes Familienmitglied, der Enkel, der mit seiner Flöte den Takt angab und uns alle in eine festliche Stimmung versetzte.

Die Mühe mit dem Waschen der Bettwäsche habe ich längst vergessen, aber ich hoffe, sie noch oft aus dem Schrank holen und nutzen zu können.

Weihnachtlicher Schlossmarkt in Tegernsee 2024

Nach einem Jahr Pause – mein Mann Tano bekam eine neue Hüftprothese – sind wir dieses Jahr wieder mit unseren Keramikarbeiten auf dem Tegernseer Weihnachtsmarkt vertreten. Nun, die Jüngsten sind wir beide nicht mehr: Laut Wikipedia gehöre ich zu den „Älteren“ und Tano, mein Mann, zählt sogar zu den „Hochbetagten“.

Trotzdem sind in unserer Werkstatt wieder viele neue Figuren entstanden. Frisch glasiert haben wir sie aus dem Brennofen geholt – die Ideen gehen uns so schnell nicht aus! Einige neue Krippenfiguren und Krippenställe sind in diesem Jahr hinzugekommen, denn für viele Familien gehören sie einfach zur Weihnachtszeit dazu. Unsere Lichterhäuser erstrahlen ebenfalls in neuem Glanz, und in diesem Jahr leuchten Teelichter in stilisierten Tannen und Öfen.

Natürlich haben wir auch unsere beliebten Gartenvögel im Gepäck. Sie kommen immer gut an, weil wir sie leicht stilisiert, aber dennoch naturnah modellieren und glasieren. Dank des Hochbrands bei 1250 Grad sind sie außerdem frostsicher.

Wir freuen uns darauf, viele bekannte Gesichter und neue Gäste an unserem Weihnachtsstand zu begrüßen. Falls ich mich schwer tue, Ihr Gesicht gleich zu erkennen, und mein Mann mir nicht sofort Ihren Namen zuflüstert, helfen Sie mir bitte auf die Sprünge!

Weihnachtlicher Schlossmarkt Tegernsee

Der weiße Stoff unseres alten Marktschirmes schrumpfte beim Waschen. Tano kaufte einen neuen, einen terrakottafarbigen Ampelschirm. Schön war er, er hatte die gleiche Farbe, wie die Dächer der Tegernseer Weihnachtsbuden.

Außer uns, wird das aber niemanden aufgefallen sein.

Die Marktbesucher betrachteten über den Budendächern eher unsere Berge, den Walberg oder den künstlich beschneiten Sonnenbichl und zwischen den Ständen unseren schönen See.

Von unserem Stand aus, an der Westseite der Schlossanlage, sah ich direkt auf das Portal der Kirche. Vor genau 200 Jahren,1817, erwarb der erste König von Bayern Max I. Joseph die Gebäude des ehemaligen Benediktinerklosters und richtete hier seine Sommerresidenz ein. Er ließ durch den Architekten Leo von Klenze die Kirchenfassade und die Türme im damaligen klassizistischen Stil verändern.

Mit dem König kamen Kaiser und Adelige, Diplomaten und Künstler ins Tal. Es war der Anfang des Fremdenverkehrs.

An den Adventswochenenden kamen viele Gäste in unser Tal. Für jeden Besucher gab es etwas Schönes, für den einen waren es die die Berge, der See, die Schifffahrt – für den anderen die Kirche, das Bräustüberl, die Weihnachtsbuden.

Auch für mich und Tano war es schön. Wir hatten nette Kunden, viele anregende Gespräche und einige Bewunderer meiner selbstgemachten Keramikwerke. Einige wenige meinten es sei Ware aus China, aus Fimo oder Plastik. Einige hätten gern etwas, aber keinen Platz in der Wohnung dafür. Manche genierten sich, sie kämen später wieder vorbei. Ob sie nächstes Jahr vielleicht kommen?