Mit Bodo Kirchhoffs Novelle „Widerfahrnis“ in Kroatien

Ich lese schnell und oberflächlich. Beschreibungen von Wolken und Ausschmückungen von Gefühlswallungen überlese ich.

Diesmal, in Kirchhoffs Buch „Widerfahrnis“, stoppte mich auf der zweiten Seite ein 7-Zeilen langer, genau 53-Wörter langer Satz. Ich musste diesen Satz nochmal lesen. Dadurch vergaß ich die vorher überflogenen Sätze. Ich begann, nochmal von Anfang an zu lesen, nun langsam, bis zu dem 53iger Satz.

Am besten sollte ich den Schluss der Geschichte lesen, wie ich es meist bei einem neuen Buch tue und dann entscheiden, ob ich weiterlesen soll. Ich nahm mich zusammen, ließ es sein und las weiter.

Beim nächsten Halbsatz „Dafür war man hier, im oberen Weissachtal, der Welt des müden Lächelns entkommen“, wurde das Buch für mich spannend. Ein paar Seiten weiter, lässt der Schriftsteller den Protagonist Reither, einen ehemaligen Verleger, in der „Walberg-Residenz“ und an der Straße zum Achensee wohnen.

Ich war mit Tano diesem Tal gerade entronnen. Ich war in der Terme Tuhelj, 40 km entfernt von Zagreb. Während Tano beim Schwimmen war, lag ich mit dem Buch im Bett.

Ich las, für mich ungewöhnlich, langsam. Ich blieb an wunderschönen Sätzen hängen, wie an diesem: „Sie, zuletzt Besitzerin eines Hutgeschäftes; sie hat ihren Laden geschlossen, weil es der Zeit an Hutgesichtern fehlt, und er seinen Verlag dichtgemacht, weil es zunehmend mehr Schreibende als Lesende gibt“, oder dem Satz: „Reither griff nach den Zigaretten, nicht um gleich wieder zu rauchen, um etwas in der Hand zu haben, wenn ihm schon die Worte fehlten“ oder „Raucher waren Leute, die nicht gleich reden wollten, die sich erst sammelten und dabei ihre kleine Pantomime aufführten.“

Ich blieb sogar an einzelnen Wörtern hängen: Haare hatten die Farbe von Harz, von Tabak, Asche oder Pistazienschalen.

Vicolo della LanternaIn der Mitte des Buches, als Reither und die ehemalige Hutgeschäftbesitzerin Leonie Palm mit dem Auto nach Sizilien fahren und Catania erreichen, wurde ich schneller im lesen. Es war unsere Reiseroute in die Heimat von Tano. Sie fuhren so lange bis die Straße zu eng wurde und hielten dort an, wo einmal unsere Unterkunft war, an der Vicolo della Lanterna.

An diesem Punkt hielt ich es nicht mehr aus und blätterte zum Schlusssatz des Buches. Nur den Allerletzten lese ich, nahm ich mir fest vor, um die Spannung zu erhalten. Der Satz hatte 64 Wörter, genau 286 Buchstaben.

Urban Sketchers Deutschland Treffen 2016 in München

Das deutschlandweite Treffen der Urban Sketchers Germany fand dieses Jahr zum zweiten Mal statt. Und zwar in München, zwischen 2. und 4. September. Letztes Jahr in Darmstadt war ich nicht dabei, aber diesmal war es für mich ein Heimspiel. Keine Unterkunft, die gefunden und keine lange Anfahrt, die geplant werden musste. Sich einfach nur freuen, dass bald um die 130 Zeichenbegeistere aus ganz Deutschland (und auch über die Landesgrenzen hinaus) zu einem gemeinsamen Wochenende zusammenkommen würden.

Als ich am Freitag zur Registration am Veranstaltungsort, der wunderbaren Seidlvilla in Schwabing, eintraf, wimmelte es bereits von fröhlichen und erwartungsvollen Teilnehmern. Einige Gesichter kannte ich, viele waren neu. Nachdem ich meinen „Goody Bag“ in Händen hielt (prall gefüllt mit Skizzenbüchern, Stiften und anderen tollen Geschenken, die von den Sponsoren zur Verfügung gestellt worden waren) und mein Namensschild an die Brust geheftet hatte, konnte es losgehen …

Urban Sketcher im Garten der Seidlvilla Kennenlernen

Im Garten der Seidlvilla Zeichnen im Garten der Seidlvilla

Ein Highlight des Abends war die Portraitparty, bei der sich immer vier zu einer Gruppe zusammenfanden und sich gegenseitig zeichneten. Allerdings wurde nicht auf normales Papier gezeichnet, sondern auf unbedruckte Bierdeckel. Die dabei entstandenen Portraits wurden dann am Ende an Fäden aufgehängt. Eine tolle Idee um sich kennenzulernen!

Portraitparty - meine Skizzen Portraitparty

Am Samstag fanden die Workshops statt, die per Los verteilt wurden.

Vormittags ermutigte uns Jan Philipp Schwarz mit seinem Workshop „Spiel mit Material und Stil“ mal etwas anderes auszuprobieren und mit neuen Herangehensweisen zu experimentieren. Es gibt so viele Möglichkeiten: mit Bleistift, Kreiden, Aquarell, Tusche …

Pina beim Zeichnen (Vielen Danke an Tatjana Wolff für das schöne Foto)

Ich habe mich zuerst an einer etwas lockereren Art als gewöhnlich probiert und statt dem dünnen Tuschstift einen grauen Pinselstift verwendet.

Siegestor (Pinselstift mit Aquarell)

Danach bin ich wieder zum Tuschestift übergegangen. Ich habe allerdings versucht beim Zeichnen nicht abzusetzen und mit nur einem einzigen Strich die Skizze aufs Papier zu bringen.

Siegestor (Tuschestift mit Aquarell)

Am Nachmittag zeigte uns Daniel Nies, wie man mit Hilfe von Aceton Vorlagen (Laserdrucker-Ausdrucke von Fotos, Texten, Logos, Strukturen und vielem mehr) ins Skizzenbuch übertragen und kreativ einbinden kann.

Transfertechnik mit Aceton in Kombination mit einer Handzeichnung

Toll, was sich das Organisationsteam dann für den Abend ausgedacht hatte: Zwei Burlesque-Tänzerinnen der Gruppe Isargold standen für uns zum Zeichnen auf der Bühne und einige aus dem Organisationsteam hatten sich fesch herausgeputzt, mit Lederhosn und Dirndl. Genial!

Isargold Biergarten-Szene

Der Sonntag begann mit einem großen Sketch Crawl rund um den Odeonsplatz, zu dem auch einige Urban Sketcher eingeladen waren, die sich nicht bei dem Treffen angemeldet hatten.

Die Urban Sketcher im Hofgarten

Ich machte auch noch einen Abstecher zu den Surfern am Eisbach.

Eisbachsurfer

Das Treffen endete am Sonntagnachmittag mit einer öffentlichen Ausstellung unsere Skizzenbücher in der Seidlvilla. Jeder Zeichner konnte dazu etwas beisteuern, sei es ein Skizzenbuch, einzelne Blätter oder aufgeklappte Leporellos. Ich konnte mich nicht satt sehen an all den wunderbaren Zeichnungen und war begeistert von den verschiedenen Stilen und Herangehensweisen der einzelnen Künstler. Was für eine inspirierende Ausstellung. Ich konnte diese Begeisterung auch bei den anderen Besuchern spüren. Ein großartiger Abschluss für ein gelungenes Treffen!

Workshop in der Seidlvilla - Meine Zeichnung für die Ausstellung

Ausstellung in der Villa Stuck – Sylvie Fleury

Tano und ich besuchten die Ausstellung in der Villa Stuck

Sylvie Fleury – My Life on the Road

Ein Regal versperrte zur Hälfte den Eingang. Nebeneinander und übereinander bis zur Decke waren darin Schuhe gestapelt. Es waren auffallende Stöckelschuhe, aber auch ausgetretene Latschen.

Auf einem Sims und auf dem Fußboden standen Einkaufstüten mit Firmenlogos. Auf einer Scheibe drehte sich ein vergoldeter Einkaufswagen. Ebenso aus Gold stand im Eck ein Papierkorb. Ich drängte mich durch den ersten Raum. Er war vollgestopft mit unterschiedlichsten Werken. Mir fallen nur noch die Plüschrakete, ein Sitzsack ähnliches Ding und ein Leuchtobjekt ein.

Sylvie Fleury ist bekannt für Inszenierungen von Mode und Luxusartikeln. Sie hinterfragt die Konsumwelt, ihren Wert und Einfluss. Der Kontrast zu den historischen, schweren und dunklen Räumen von Franz von Stuck irritierte mich. Es war natürlich so gewollt. Barbara Reitter-Welter schrieb, dass der Malerfürst Stuck (1863–1928) sich selbst und seine Villa zu einem Gesamtkunstwerk stilisierte. Genauso wie Sylvie Fleury, trennte er Kunst und Leben nicht.

http://www.welt.de/regionales/bayern/article157865001/-und-der-schoene-Schein-von-Luxus.htm

Ich tat mich etwas schwer, denn die Namen der Luxusartikel interessierten mich bisher nicht. Somit sah ich nicht, dass die angeschossenen und zerfetzten Taschen teure Chanel-Täschchen waren.

Ein Manko war für mich auch, dass ich nicht wusste, in welchem Raum von Stuck ich mich jeweils befand. Dabei hatte Fleury die ursprüngliche Funktion der einzelnen Räume sehr wohl im Blick. Ich wusste nicht, dass der Raum, in dem am Boden Schminksachen zerstreut lagen, früher das Schlafzimmer der Gattin war.

Eigentlich müsste ich die Ausstellung noch einmal besuchen.

Rochelle Feinstein im Lenbachhaus

Rochelle Feinstein im Lenbachhaus – I made a terrible mistake

Die Ausstellung von Rochelle Feinstein gefiel mir sehr gut, besonders ihr feiner Humor.

Zum Beispiel schien ein abstraktes Bild gemalt zu sein. Von nahem sah ich jedoch, dass ein kariertes Küchentuch aufgeklebt war. Schelmisch betitelte sie es mit “Flagge“. Vielleicht dachte sie dabei an eine Putzlappen schwenkende Hausfrau?

Witzig fand ich auch die Installation: „Before and After von 1999“. Am Boden lehnten an der Wand, neben und übereinander, unbemalte Leinwände. Amüsant war, dass am Ende dann ein Bild an der Wand hing, das ein Regal zeigte, in dem viele bemalte Leinwände gestapelt waren. Vielleicht wollte die Künstlerin auf Werke hinweisen, die sie nicht verkaufen konnte. Das Los so mancher Künstler.

In vielen ihrer Werke spielt die Sprache eine große Rolle. Über eine gesamte Wandfläche verteilt hingen große Bilder mit riesigen Comic-Sprechblasen mit dem Satz „Love your work“, jedoch rückwärts und teils nicht vollständig geschrieben. Auf einem Bild mit dem Titel Wrong war dieses Wort falsch in Spiegelschrift aufgemalt.

In einem Bericht des Bayerischen Rundfunks stand sehr schön: „Abstrakte Kunst vom elitären Sockel zu holen, und mit ganz alltäglichen Dingen vielschichtig aufzuladen, ist die Kunst von Rochelle Feinstein. Mit ihrem lakonischen, trockenen Humor hinterfragt die New Yorkerin die Mechanismen des Kunstmarktes.“

http://www.sueddeutsche.de/kultur/kunst-mehr-als-nur-eine-redensart-1.3026046

http://www.br.de/mediathek/video/sendungen/capriccio/rochelle-feinstein-lenbachhaus-102.html#tab=bcastInfo&jump=tab

„Schiff Ahoy“ Brandhorstmuseum Teil 1

Ist das Kunst oder darf man sich darauf setzen

Tano und ich besuchten im Brandhorstmuseum die Ausstellung „Schiff Ahoy – Zeitgenössische Kunst aus der Sammlung Brandhorst“.

Im ersten Raum des Museums standen weiße Stühle, in Reih und Glied aufgestellt. Müde waren wir nicht. Aber sie luden uns zum Sitzen ein.

Gespannt schauten wir auf den vor uns aufgebauten Riesenwürfel und warteten. Nichts geschah. Ein Aufseher lächelte uns zu.

Groß wirkt der weiße Kubus vor den Stühlen. Typisch, dachte ich, als ich den Namen des Künstlers las, Heimo Zobernig. Ich erinnerte mich an den von ihm gestalteten österreichischen Biennale-Pavillon. Puristisch war er, es gab nur leere Räume.

Am Ende unseres Ausstellungs-Rundganges waren wir vom Hin und Her, vom Auf und Ab sehr müde. Gezielt steuerten wir auf die weißen Stühle zu. Kaum saßen wir, scheuchte uns eine Aufseherin freundlich-aufgeregt von den Stühlen hoch. Wir säßen auf einer Kunstinstallation, „Sitzgruppe Heimo“, von Franz West und Heimo Zobernig.

Wir erklärten ihr, dass es doch von den Künstlern so gewollt war, dass der Besucher Akteur und Teil der Installation wird. Sie glaubte uns nicht.

Sie hörte nicht mehr zu, als wir von Franz Wests Installation im Untergeschoss sprachen. Ausdrücklich waren dort seine kotwurst-ähnlichen Gebilde als Sitzgelegenheit angepriesen. Der Titel „Das Fragile an seiner Kloake“ war nicht sehr einladend.

http://www.br.de/mediathek/video/sendungen/nachrichten/sammlung-brandhorst-schiffahoi-100.html

„Schiff Ahoy“ Brandhorstmuseum Teil 2

Zeitgenössische Kunst aus der Sammlung Brandhorst

Minimal Art, Postminimal, Arte Povera und Konzeptkunst versprachen die Anzeigen zur Ausstellung. Ich freute mich.

Die Liebe zur Kunst der 1960er- und frühen 1970er-Jahre, hauptsächlich zur Arte Povera, wurde bei mir in Italien geweckt. Sie begann vor vielen Jahren am Canal Grande im Peggy Guggenheim Museum, als ich das Iglu von Mario Merz sah. Das Drumherum, der Palazzo, die Stadt Venedig hatten die Zuneigung sicher noch verstärkt.

Jetzt im Brandhorst Museum war ich von Mario Merz‘ Werk nicht so begeistert, einer Lederjacke mit Holzreisig und Neonröhre. Es zeigte mir aber welche „unkünstlerischen“ Materialien die Künstler verwandten. Carl Andres betretbare Bodenarbeit war aus Metallplatten. Hubert Kiecols Objekte waren aus Beton. Warhol spritzte mit Urin auf Kupferplatten. Kelly Walker bemalte eine Matratze.

Ein Wandtext erklärte, dass die Minimal-Art-Künstler frei sein wollten von Merkmalen und Sinnbildern, sie begrenzten sich auf Form, Farbe und Größe. Frank Stella fasste es zusammen: „Was man sieht, ist, was man sieht.“

Einen Text über die Konzeptkunst fand ich auch interessant. Ich notierte ihn, zu lang waren die Schachtelsätze für mich um sie gleich zu verstehen.

„Die Forderung der Konzeptkunst war, die künstlerische Praxis nicht auf die Gestaltung eines autonomen Kunstwerks zu beschränken, sondern den sozialen und institutionellen Kontext mitzudenken, in dem Kunst zirkuliert. Ein ironisches Spiel mit dem populärsten Mythos der Moderne, dem Glauben, dass die Originalität der Kunst im individuellen Ausdruck des Künstlers begründet ist, zwischen Hommage und Konkurrenz, Solidarität und Instrumentalisierung.“

Als Beispiel zu dem Text war von Louise Lawler ein Foto mit einem Kunstwerk im Wohnzimmer eines Kunstsammlers ausgestellt. Von Martin Kippenberger sah man Plakate für seine eigene Ausstellung, die er von Künstlerkollegen gestalten ließ.

Den Namen des Künstlers Josh Smith, geboren 1976, und seine Keramikfigürchen möchte ich mir merken. Im Gulbransson Museum Tegernsee werden demnächst Keramikarbeiten von Kindern ausgestellt, die im Rahmen des museumspädagogischen Programms, welches ich leiten durfte, entstanden sind. Radio Bayern 2 sagt zu Josh Smith´ Figuren: „irgendwo zwischen Aztekenkunst und Volkshochschulkurs“.

Die ganze Ausstellung gefiel mir, ich konnte mich nicht satt sehen. Das Wiedererkennen vieler Namen, das Geburtsalter der Künstler, so nah an meinem und dem meiner Kinder, ließen ein Gefühl von Vertrautheit aufkommen.

Der Aufbau und die Art, wie die Werke präsentiert wurden, machten es leicht, den Beweggrund der Künstler zu verstehen.

http://www.br.de/radio/bayern2/kultur/kulturwelt/museum-brandhorst-schiff-ahoy-100.html

Wien – Ausstellungsbesuche Erster Teil: Leopold Museum

Tano und ich  waren in Wien mit ganz wenig Zeit im Gepäck. Wenigstens konnten wir Ludwig und Leopold besuchen, das heißt das Leopold Museum und das Mumok (Mueum moderne Kunst, Stiftung Ludwig).

1. Teil:  Drei Ausstellungen im Leopold Museum

Zuerst sahen wir die Ausstellung von Berlinde de Bruyckere Suture

„Berlinde de Bruyckere geb.1964 in Gent zählt zu den international bekanntesten Bildhauerinnen“, las ich im Museumsprospekt. Ich überlegte, ob ich schon mal etwas von ihr gesehen hatte.

Ihre Skulpturen beeindruckten mich stark, besonders ein Torso. Er lag nackt in Lebensgröße, ohne Kopf auf mehreren weißen Kissen. Die Körperhaut war weiß-rosa und bläulich-rot angelaufen. Beklemmend, ich muss an rohes Fleisch denken. Pieta ist der Titel. Jesus, der vom Kreuze abgenommen und in die Arme Mariens – hier in die Kissen – gelegt wurde.

Ähnlich waren ihre anderen Werke. Ich konnte sie fast nicht anschauen: die verschlungenen nackten Körper, die aufgehängten einzelnen Gliedmaßen.

Die Künstlerin erreichte die überrealistische Hautoberfläche, indem sie mit durchscheinendem Wachs, Glas und Epoxidharz arbeitete.

Daheim las ich, dass Berlinde de Bruyckere in der Venediger Biennale 2013 den belgischen Pavillon bespielte. Sofort erinnerte ich mich. Der damals starke Geruch von Wachs stieg mir wieder in die Nase. Warum fällt es mir erst jetzt ein? Ein toter, verdorrter Baum lag auf dem Boden und füllte den ganzen Raum.

Diese Ähnlichkeit! Leid und Schmerz zeigte sie auch damals mit ihrem Werk „Krüppelholz“

 

Die Ausstellung von Theodor von Hörmann“Von Paris zur Secession“

200 Jahre nach der Geburt des Malers Theodor von Hörmann (1814 – 1895) widmete das Leopold Museum dem Künstler eine umfassende Retrospektive.

Sonne im Garten, Bellvedere, Blumenmarkt, Tümpel im Buchenwald las ich unter den Bildern. Schön realistisch gemalt, war mein erster Eindruck, bis ich Bilder mit Mohnblüten entdeckte. Sofort dachte ich an Claude Monet. Die Ähnlichkeit zu dessen Mohnfeldbild war deutlich. Dass sich die Mohnblüten von Hörmann als Esparsettenblüten entpuppten, war nebensächlich. Ich war bestätigt, als ich las, dass er Beziehungen zu den französischen Impressionisten hatte. Von 1886 bis 1890 unternahm er eine Frankreichreise. Er begab sich auf die Spuren der Maler von Barbizon und reiste in die Bretagne.

Hier entstanden lichtdurchflutete Naturbilder und anschließend vier Bilder von den „Esparsettenfelder“. Leider wurden sie im Wiener Künstlerhaus 1891 von der Jury abgelehnt.

Deutlich sah ich in der Ausstellung den Weg vom Realisten zum Impressionisten. Ich weiß nicht mehr, wo ich es las, dass er der einzige impressionistische Maler Österreichs war.

Ein Ehrengrab am Wiener Zentralfriedhof, den wir bei unserer Rückfahrt besuchten erinnert heute an den Künstler Theodor von Hörmann.

 

Im Schnelldurchgang : Gustav Klimt  –  Egon Schiele

Das Haus beherbergt die größte Egon Schiele-Sammlung der Welt. Vor einigen Jahren sah ich sie schon einmal. Deshalb entschlossen wir uns nur zu einem Schnelldurchgang. Zum Glück ist es eine Dauerpräsentation und somit ein Grund, wieder nach Wien zu kommen.

Gleich in einem der ersten Räume wälzte sich eine Frau auf dem Fußboden. Sie bewegte sich im Zeitlupentempo.

Die Besucher hielten an, schauten, und gingen weiter. Wird Hilfe gebraucht? Am liebsten wäre ich wieder rückwärts gegangen. Es ist ein Tanz, sagte der Aufseher und löste damit mein Erschrecken.

Performanceprogramm – aufregende Begegnungsräume zwischen bildender Kunst und Choreografie lese ich später im Programmheft.

 

 

Wien Ausstellungsbesuche zweiter Teil: Mumok

 Zweiter Teil: im Mumok – Museum moderne Kunst, Stiftung Ludwig).

Im Mumok Museum war gerade die Ausstellung „Wir Wegbereiter. Pioniere der Nachkriegsmoderne“

Mit dem Titel der Ausstellung sind die beiden Persönlichkeiten der Nachkriegszeit gemeint: der Gründungsdirektor des Museums Werner Hofmann und der Politiker Viktor Matejka, der sich früh um die Rückkehr verfolgter und vormals verfemter Künstler bemühte.

Ihnen verdanken wir die Sammlung der klassischen Moderne: Expressionismus, Kubismus, Futurismus und Bauhaus.

Wir konnten nur im Eilschritt die zahlreichen Werke anschauen. Viele Künstlernamen kannte ich. Eine gerahmte ,verwitterte Holzplatte ließ mich anhalten. Rechts und links waren kleine Ausschnitte und mittig eine Tür aus Rasierklingen. Ohne, dass ich den Titel „Die Grausamkeit“ gelesen hatte, war ich betroffen. Der Künstler war Zbynek Sekal, 1923 in Prag geboren und 1998 in Wien gestorben.

Tano rief mich, als er ein Ölbild von Renato Guttuso entdeckte. „ Algerierin mit weißem Tuch“. Er kannte den Künstler persönlich aus seiner Jugendzeit in Catania, Sizilien. Tano meinte, so ganz anders sei das Bild, er hätte es Guttuso nicht zugeordnet.

Als ich drei Ölbilder von Georg Eisler sah wurde ich ganz kribbelig. Den Namen kannte ich. Ich meinte sogar, dass ich mir einmal eine Radierung von ihm gekauft hatte, zweifelte aber noch. Wieder daheim sah ich, dass ich einen Orginaldruck von Eisler habe. Es ist das 13. Bild aus einer Auflage von 100. Ich kaufte es vor 50 Jahren mit meinem erst verdienten Geld.

Wien – „L´elisir d´amore“

Amore war der Grund unserer Wien-Reise. Tano wollte „L´elisir d´amore“ von Donizetti im Steinbruch St. Margarethen erleben.

Besuch der Oper: Der Liebestrank

Die Inszenierung von Philipp Himmelmann war ein großartiges Theaterspektakel. Die Bühne lag in einem alten römischen Steinbruch. Der Stephansdom in Wien wurde noch mit diesen Kalksandsteinen gebaut.

Von Anfang an fühlten wir uns jedoch in die 1950er Jahre versetzt. Die Bühne war wie eine überdimensionalen Musikbox aus dieser Zeit gestaltet – einem Wurlitzer mit einem Tonarm. Der Plattenteller war die Drehbühne und war hauptsächlich die Spielfläche. Doch auch die Straße, die zur Felsenarena führte wurde einbezogen. Dort entstieg aus einem Hippibus der Quacksalber Dulcamara, begleitet von einer bunten Hippigruppe.

Schon vor Beginn der Oper wurde auf der Bühne Rock ’nRoll getanzt, natürlich waren alle im damaligen Stil gekleidet. Erinnerungen wurden wach. Ich musste an meinen ersten Petticoat denken, den ich mir so sehnlichst gewünscht hatte.

Tano fand Uwe Schenker-Primus (geb. 1974 in Rosenheim), der den Bass sang am besten. Seine letzte Strophe lallte er vom Wein berauscht, virtuos. Ebenso gefiel Tano die Sopranstimme von der Armenierin Narina Yeghiyan (Adina). Vom Chor der Philharmonie Wien schwärmte er.

Bei der Szene, als sich die Soldaten vom Bühnendach abseilten erschrak ich. Unnötig fand ich, dass sie ihre Maschinengewehre im Anschlag hielten.

Trotzdem, es war ein wunderschöner Abend. Es war warm. Die Mücken fanden unsere Nachbarn süßer als uns. Ein Feuerwerk war der Schlusspunkt.