Ist das Kunst?

Manaf Halbounis Installation „Monument“ vor der Dresdner Frauenkirche
Manaf Halbounis Facebook-Seite
Artikel auf Wikipedia

Ich war sehr bewegt als ich über die Hintergründe seines Kunstwerks erfahren habe (siehe Links oben) und eigentlich war es nur als kurzer Post auf Manaf Halbounis Facebook-Seite geplant. Als ich dann jedoch die Kommentare dort las, berührte es mich emotional sehr tief und ich begann, um seine Kunst zu verteidigen, folgenden Text zu verfassen. Da er etwas länger ausgefallen ist, veröffentliche ich ihn nun hier auf unserem Blog.

Ist das Kunst?

Da ich dieses Werk sehr interessant finde, will ich den Menschen, die sich schwer tun es anzuerkennen, ein paar Hilfen anbieten, Verständnis dafür zu entwickeln und Zugang zur Kunst zu erhalten. Gleichsam will ich dem Werk und dem Künstler hiermit auch meine kleine Anerkennung darbringen. Kunstverständnis ist nicht einfach; über die Kunst werden seit je her hitzige Debatten geführt und sicherlich ist es gar nicht möglich, dass jedem Menschen alle Formen der Kunst gefallen können. Trotzdem kann jeder, der sich einer gewissen offenen und unvoreingenommenen Auseinandersetzung stellt, leicht Respekt für die Kunst in all ihren Fassetten entwickeln. Weiterlesen

Neues Jahr – neue Bilder von Riccardo

Eine Auswahl – alle Bilder sind mit Pigmenttusche auf Papier gezeichnet.

Selbsthärtende Tonmasse

Ich habe die selbsthärtende Tonmasse “Intense“ ausprobiert, die man in Deutschland bei Keramikbedarf Zinser beziehen kann.
Zuerst war ich sehr skeptisch, doch dann überrascht, wie leicht sich die Masse verarbeiten ließ. Die Beschreibung „rissfrei trocknend“ war für mich der Anlass den Ton mit Holz und Ziegelstein zu verbinden. Diese extreme Verarbeitung klappte.


Der selbsthärtende Ton ersetzt für mich nicht den normalen Ton. Der Reiz dieses Tones ist, dass er nicht schrumpft und deshalb mit verschiedenen Materialien kombiniert werden kann. Auf Lufteinschlüsse und Wandstärke muss man bei der Masse nicht achten.

Zum Abschluss des Jahres neue Bilder von Riccardo.

Zum Abschluss des Jahres neue Bilder von Riccardo.

Man meint sie deuten zu können. Aber nur deshalb, weil man weiß, dass sie zwischen Weihnachten und Silvester gemalt wurden. Das Gesicht gleicht einem Schmuckanhänger auf dem Weihnachtsbaum. Der Augenstern funkelt obwohl er nur schwarz ist. Der knorrige Baum in Form einer buckeligen Alten könnte die Zukunftsängste andeuten, die bunten Bilder die Hoffnung.

Wie immer lässt Riccardo die Deutung jedem Betrachter offen.

Pinas Skizzenbuch 2016

Pina lässt uns einen Blick in ihr Skizzenbuch werfen. Als wäre es geplant gewesen, ist es jetzt zum Jahresende fast bis zum letzten Blatt mit Zeichnungen gefüllt. Sie blättert darin und zeigt uns ihre mit Aquarellfarben kolorierten Bleistift- und Tuschezeichnungen, die im Laufe des Jahres 2016 entstanden sind. Pina war in München unterwegs, zeichnete dort bekannte Plätze und verborgene Straßenecken, alte und moderne Bauwerke. Auch ihre Besuche in Museen und Ausstellungen lässt sie uns miterleben. Sie beobachtete auch die Bewohner der Stadt, sei es auch nur beim Warten auf den Bus.

Weihnachtsbild von Riccardo

Tusche auf Papier von Riccardo Milazzo

Ein wunderschön passendes Bild von Riccardo für die Weihnachtszeit.

Ein Wanderer? Ein Hirte? Der Umhang, der Stab, die Nacht, die Sterne – was sagen sie aus? Riccardo überlässt es dem Betrachter.

Die Familie wünscht allen Freunden und Bekannten ruhige, erholsame Festtage und alles Liebe und Gute für das neue Jahr.

Weihnachtlicher Schlossmarkt Tegernsee

Der weiße Stoff unseres alten Marktschirmes schrumpfte beim Waschen. Tano kaufte einen neuen, einen terrakottafarbigen Ampelschirm. Schön war er, er hatte die gleiche Farbe, wie die Dächer der Tegernseer Weihnachtsbuden.

Außer uns, wird das aber niemanden aufgefallen sein.

Die Marktbesucher betrachteten über den Budendächern eher unsere Berge, den Walberg oder den künstlich beschneiten Sonnenbichl und zwischen den Ständen unseren schönen See.

Von unserem Stand aus, an der Westseite der Schlossanlage, sah ich direkt auf das Portal der Kirche. Vor genau 200 Jahren,1817, erwarb der erste König von Bayern Max I. Joseph die Gebäude des ehemaligen Benediktinerklosters und richtete hier seine Sommerresidenz ein. Er ließ durch den Architekten Leo von Klenze die Kirchenfassade und die Türme im damaligen klassizistischen Stil verändern.

Mit dem König kamen Kaiser und Adelige, Diplomaten und Künstler ins Tal. Es war der Anfang des Fremdenverkehrs.

An den Adventswochenenden kamen viele Gäste in unser Tal. Für jeden Besucher gab es etwas Schönes, für den einen waren es die die Berge, der See, die Schifffahrt – für den anderen die Kirche, das Bräustüberl, die Weihnachtsbuden.

Auch für mich und Tano war es schön. Wir hatten nette Kunden, viele anregende Gespräche und einige Bewunderer meiner selbstgemachten Keramikwerke. Einige wenige meinten es sei Ware aus China, aus Fimo oder Plastik. Einige hätten gern etwas, aber keinen Platz in der Wohnung dafür. Manche genierten sich, sie kämen später wieder vorbei. Ob sie nächstes Jahr vielleicht kommen?

Mit Bodo Kirchhoffs Novelle „Widerfahrnis“ in Kroatien

Ich lese schnell und oberflächlich. Beschreibungen von Wolken und Ausschmückungen von Gefühlswallungen überlese ich.

Diesmal, in Kirchhoffs Buch „Widerfahrnis“, stoppte mich auf der zweiten Seite ein 7-Zeilen langer, genau 53-Wörter langer Satz. Ich musste diesen Satz nochmal lesen. Dadurch vergaß ich die vorher überflogenen Sätze. Ich begann, nochmal von Anfang an zu lesen, nun langsam, bis zu dem 53iger Satz.

Am besten sollte ich den Schluss der Geschichte lesen, wie ich es meist bei einem neuen Buch tue und dann entscheiden, ob ich weiterlesen soll. Ich nahm mich zusammen, ließ es sein und las weiter.

Beim nächsten Halbsatz „Dafür war man hier, im oberen Weissachtal, der Welt des müden Lächelns entkommen“, wurde das Buch für mich spannend. Ein paar Seiten weiter, lässt der Schriftsteller den Protagonist Reither, einen ehemaligen Verleger, in der „Walberg-Residenz“ und an der Straße zum Achensee wohnen.

Ich war mit Tano diesem Tal gerade entronnen. Ich war in der Terme Tuhelj, 40 km entfernt von Zagreb. Während Tano beim Schwimmen war, lag ich mit dem Buch im Bett.

Ich las, für mich ungewöhnlich, langsam. Ich blieb an wunderschönen Sätzen hängen, wie an diesem: „Sie, zuletzt Besitzerin eines Hutgeschäftes; sie hat ihren Laden geschlossen, weil es der Zeit an Hutgesichtern fehlt, und er seinen Verlag dichtgemacht, weil es zunehmend mehr Schreibende als Lesende gibt“, oder dem Satz: „Reither griff nach den Zigaretten, nicht um gleich wieder zu rauchen, um etwas in der Hand zu haben, wenn ihm schon die Worte fehlten“ oder „Raucher waren Leute, die nicht gleich reden wollten, die sich erst sammelten und dabei ihre kleine Pantomime aufführten.“

Ich blieb sogar an einzelnen Wörtern hängen: Haare hatten die Farbe von Harz, von Tabak, Asche oder Pistazienschalen.

Vicolo della LanternaIn der Mitte des Buches, als Reither und die ehemalige Hutgeschäftbesitzerin Leonie Palm mit dem Auto nach Sizilien fahren und Catania erreichen, wurde ich schneller im lesen. Es war unsere Reiseroute in die Heimat von Tano. Sie fuhren so lange bis die Straße zu eng wurde und hielten dort an, wo einmal unsere Unterkunft war, an der Vicolo della Lanterna.

An diesem Punkt hielt ich es nicht mehr aus und blätterte zum Schlusssatz des Buches. Nur den Allerletzten lese ich, nahm ich mir fest vor, um die Spannung zu erhalten. Der Satz hatte 64 Wörter, genau 286 Buchstaben.

Urban Sketchers Deutschland Treffen 2016 in München

Das deutschlandweite Treffen der Urban Sketchers Germany fand dieses Jahr zum zweiten Mal statt. Und zwar in München, zwischen 2. und 4. September. Letztes Jahr in Darmstadt war ich nicht dabei, aber diesmal war es für mich ein Heimspiel. Keine Unterkunft, die gefunden und keine lange Anfahrt, die geplant werden musste. Sich einfach nur freuen, dass bald um die 130 Zeichenbegeistere aus ganz Deutschland (und auch über die Landesgrenzen hinaus) zu einem gemeinsamen Wochenende zusammenkommen würden.

Als ich am Freitag zur Registration am Veranstaltungsort, der wunderbaren Seidlvilla in Schwabing, eintraf, wimmelte es bereits von fröhlichen und erwartungsvollen Teilnehmern. Einige Gesichter kannte ich, viele waren neu. Nachdem ich meinen „Goody Bag“ in Händen hielt (prall gefüllt mit Skizzenbüchern, Stiften und anderen tollen Geschenken, die von den Sponsoren zur Verfügung gestellt worden waren) und mein Namensschild an die Brust geheftet hatte, konnte es losgehen …

Urban Sketcher im Garten der Seidlvilla Kennenlernen

Im Garten der Seidlvilla Zeichnen im Garten der Seidlvilla

Ein Highlight des Abends war die Portraitparty, bei der sich immer vier zu einer Gruppe zusammenfanden und sich gegenseitig zeichneten. Allerdings wurde nicht auf normales Papier gezeichnet, sondern auf unbedruckte Bierdeckel. Die dabei entstandenen Portraits wurden dann am Ende an Fäden aufgehängt. Eine tolle Idee um sich kennenzulernen!

Portraitparty - meine Skizzen Portraitparty

Am Samstag fanden die Workshops statt, die per Los verteilt wurden.

Vormittags ermutigte uns Jan Philipp Schwarz mit seinem Workshop „Spiel mit Material und Stil“ mal etwas anderes auszuprobieren und mit neuen Herangehensweisen zu experimentieren. Es gibt so viele Möglichkeiten: mit Bleistift, Kreiden, Aquarell, Tusche …

Pina beim Zeichnen (Vielen Danke an Tatjana Wolff für das schöne Foto)

Ich habe mich zuerst an einer etwas lockereren Art als gewöhnlich probiert und statt dem dünnen Tuschstift einen grauen Pinselstift verwendet.

Siegestor (Pinselstift mit Aquarell)

Danach bin ich wieder zum Tuschestift übergegangen. Ich habe allerdings versucht beim Zeichnen nicht abzusetzen und mit nur einem einzigen Strich die Skizze aufs Papier zu bringen.

Siegestor (Tuschestift mit Aquarell)

Am Nachmittag zeigte uns Daniel Nies, wie man mit Hilfe von Aceton Vorlagen (Laserdrucker-Ausdrucke von Fotos, Texten, Logos, Strukturen und vielem mehr) ins Skizzenbuch übertragen und kreativ einbinden kann.

Transfertechnik mit Aceton in Kombination mit einer Handzeichnung

Toll, was sich das Organisationsteam dann für den Abend ausgedacht hatte: Zwei Burlesque-Tänzerinnen der Gruppe Isargold standen für uns zum Zeichnen auf der Bühne und einige aus dem Organisationsteam hatten sich fesch herausgeputzt, mit Lederhosn und Dirndl. Genial!

Isargold Biergarten-Szene

Der Sonntag begann mit einem großen Sketch Crawl rund um den Odeonsplatz, zu dem auch einige Urban Sketcher eingeladen waren, die sich nicht bei dem Treffen angemeldet hatten.

Die Urban Sketcher im Hofgarten

Ich machte auch noch einen Abstecher zu den Surfern am Eisbach.

Eisbachsurfer

Das Treffen endete am Sonntagnachmittag mit einer öffentlichen Ausstellung unsere Skizzenbücher in der Seidlvilla. Jeder Zeichner konnte dazu etwas beisteuern, sei es ein Skizzenbuch, einzelne Blätter oder aufgeklappte Leporellos. Ich konnte mich nicht satt sehen an all den wunderbaren Zeichnungen und war begeistert von den verschiedenen Stilen und Herangehensweisen der einzelnen Künstler. Was für eine inspirierende Ausstellung. Ich konnte diese Begeisterung auch bei den anderen Besuchern spüren. Ein großartiger Abschluss für ein gelungenes Treffen!

Workshop in der Seidlvilla - Meine Zeichnung für die Ausstellung

Ausstellung in der Villa Stuck – Sylvie Fleury

Tano und ich besuchten die Ausstellung in der Villa Stuck

Sylvie Fleury – My Life on the Road

Ein Regal versperrte zur Hälfte den Eingang. Nebeneinander und übereinander bis zur Decke waren darin Schuhe gestapelt. Es waren auffallende Stöckelschuhe, aber auch ausgetretene Latschen.

Auf einem Sims und auf dem Fußboden standen Einkaufstüten mit Firmenlogos. Auf einer Scheibe drehte sich ein vergoldeter Einkaufswagen. Ebenso aus Gold stand im Eck ein Papierkorb. Ich drängte mich durch den ersten Raum. Er war vollgestopft mit unterschiedlichsten Werken. Mir fallen nur noch die Plüschrakete, ein Sitzsack ähnliches Ding und ein Leuchtobjekt ein.

Sylvie Fleury ist bekannt für Inszenierungen von Mode und Luxusartikeln. Sie hinterfragt die Konsumwelt, ihren Wert und Einfluss. Der Kontrast zu den historischen, schweren und dunklen Räumen von Franz von Stuck irritierte mich. Es war natürlich so gewollt. Barbara Reitter-Welter schrieb, dass der Malerfürst Stuck (1863–1928) sich selbst und seine Villa zu einem Gesamtkunstwerk stilisierte. Genauso wie Sylvie Fleury, trennte er Kunst und Leben nicht.

http://www.welt.de/regionales/bayern/article157865001/-und-der-schoene-Schein-von-Luxus.htm

Ich tat mich etwas schwer, denn die Namen der Luxusartikel interessierten mich bisher nicht. Somit sah ich nicht, dass die angeschossenen und zerfetzten Taschen teure Chanel-Täschchen waren.

Ein Manko war für mich auch, dass ich nicht wusste, in welchem Raum von Stuck ich mich jeweils befand. Dabei hatte Fleury die ursprüngliche Funktion der einzelnen Räume sehr wohl im Blick. Ich wusste nicht, dass der Raum, in dem am Boden Schminksachen zerstreut lagen, früher das Schlafzimmer der Gattin war.

Eigentlich müsste ich die Ausstellung noch einmal besuchen.