Bericht der Online-Zeitung „Kulturvision“ über Riccardos Ausstellung


24.02.2016 – Ausstellung in Rottach-Egern
Kunst ist immer erhaben
Schwere Tüten, Rotes Tuch, Gewitterwolken, Eigenlob. Die Bilderwelt von Riccardo Milazzo ist so vielfältig wie deren poetischen Titel. Mit „NUMBER ONE“ gibt es nun die erste Einzelausstellung des Rottacher Künstlers im Seeforum zu sehen.Silvias wunderschöne lange Haare

Alles beginnt mit einer Linie, die verschlingt sich mäandernd zu einer zweiten, wird ein Herz, eine Frau, ihr Haar. Das Gesicht bleibt ganz Linie, das Haar füllt sich mit den Empfindungen, Gedanken, Träumen der Frau. „Wimmelbilder“, sagt Riccardo, würden manche Besucher diese Art seiner Bilder nennen, so wie in den Kinderbüchern. Und tatsächlich wimmelt es in Silvias Haaren, wirbeln Ideen, Wünsche, Fragen, Erinnerungen durcheinander, machen die Frau aus, die Silvia heißt, deren Züge kühn und klar sind und dennoch vage bleiben. Die Wimmelbilder sind mit Bleistift gezeichnet, fein und präzise. Der Graphit gestattet Schattierungen. Plastisch treten kleine Details zutage, Muscheln im Sand etwa. „Da hatte ich Sehnsucht nach dem Meer“, sagt Riccardo.

Seine Bilder entstehen während des Malens. Er beginnt mit einer Linie und schaut, was sie mit ihm macht. Je nach Stimmung entstehen sehr komplexe Bilder, in denen ein ganzer Kosmos steckt, voller Details. Dann wieder sehr klare, fast an Piktogramme erinnernde Grafiken aus wenigen Strichen von starker Symbolkraft. Mit nur einer Linie stellt er Zusammenhänge dar, zwischenmenschliche Befindlichkeiten, Liebe, Kommunikation, Respekt, wie etwa in der Serie „Group Dynamics“. In den letzten Monaten sind viele Zeichnungen dieser Art entstanden. Das heißt aber keineswegs, dass er sich darauf jetzt festlegt. Alles kann gleichzeitig entstehen. Er folgt seinen Empfindungen, lässt sich dorthin leiten, wohin die Kunst ihn führt. „Manche Leute nennen es Kommunikation zwischen Natur und Mensch, Universum und Mensch, oder Gott und Mensch“, erklärt er. Das sei das Geheimnis, die Mystik an der Kunst.

Befreiung von der Illusion, Kunst zu kontrollieren

Die Natur selbst schafft wunderschöne Kunst. Nicht jeder vermag das so wahrzunehmen. Aber auch Werke der Korrosion und des Verfalls sind Zeichen der Schönheit, wie etwa die zerfressene Patina einer rostenden Tonne oder eine Mauer, von der Farbe abblättert. Riccardos künstlerische Auge erfasst solche Details liebevoll, sie fließen ein in seine Arbeiten. Das sieht man insbesondere an den großformatigen Acrylbildern, die sich so gänzlich unterscheiden von den feinen Bleistift- und Pigmenttuschezeichnungen. Die Acrylbilder sind Sommerbilder. Sie entstehen in der Garage, weil er dann Platz braucht für ausladende Bewegungen, für ein Loslassen von jeglicher Art von Kontrolle, die man vielleicht über das entstehende Bild übernehmen wollte. Statt dessen überlässt er sich ganz der Intuition, befreit sich von der Illusion, der Kontrollierende zu sein. „Der Künstler ist selbst Teil des Ganzen“, sagt er, und die Kunst sei erhaben, ein nicht kontrollierbares, göttliches Prinzip.

Spielraum für verschiedene Interpretationsweisen

Es ist seine bescheidene, feinfühlige Art, ganz in den Hintergrund seiner Kunst zu treten, damit sie wirken kann. Seine Bilder sollen so offen sein, dass sie unterschiedlich gelesen werden können. Riccardos Familie ist ein wichtiger Hintergrund, weil man sich gegenseitig unterstützt und inspiriert. Die Künstlerfamilie Milazzo mit Mutter Waltraud, Vater Gaetano, Ricc und Schwester Pina hatte 2014 zum ersten Mal eine gemeinsame Ausstellung in Agatharied.

Ja, und dann ist da noch der Tegernsee selbst, Ort der Ruhe, an dem der Künstler Inspiration findet und Kraft aus der Stille gewinnt. Zur Vernissage am Samstag im Seeforum waren viele Besucher gekommen, Riccardos erste Soloausstellung zu sehen und die Familie Milazzo zu begrüßen. Die Ausstellung ist noch bis zum 28.2.2016 jeweils 14-18 Uhr im Seeforum Rottach-Egern zu sehen.

Text/Foto: Ines Wagner

Pigment-Tusche Nachschub gekauft

Riccardos neue Stifte sind schon lange leer. Er musste sich Nachschub kaufen. Eine Auswahl der Bilder, die er damit gezeichnet hat und die bereits bei www.facebook.com/milazzoart veröffentlicht sind, zeigt er nun hier.

Alle Bilder sind mit schwarzer Pigment-Tusche gezeichnet. Sie sind noch ohne Titel.

Zwei Bilder mit bunten Pigment-Tuschen:

Ausstellung im Haus der Kunst: Konzeptkünstlerin Hanne Darboven

Man muss es gesehen haben, dann versteht man mehr davon. So dachte ich. Ich meine damit die Ausstellung über Hanne Darboven (1941- 2009) im Haus der Kunst.

Vielleicht bin ich nach meinem Besuch ein wenig gescheiter.

Der erste Eindruck war überwältigend. Alle hohen Außen- und Innenwände waren von oben bis unten voll gepflastert mit gleich großen Bildern. Hinterher las ich, es waren 27.000 Objekte. Jede Wand zeigte ein Thema.

Am besten verstand ich die gerahmten Titelblätter des Magazins „Der Spiegel“. Ich konnte auch die Bilder enträtseln, die dicht beschrieben waren mit Girlanden, ähnlich den Schwungübungen beim Schreibunterricht. Ich erkannte, dass die Anzahl der geschriebenen Bögen Zahlen bedeuteten.

Mit den in Reih und Glied gehängten Rahmen wirkten die Wände als wären sie mit einer Rastertapete beklebt. An den Bildern mit den unendlich vielen Postkarten, Fotos, Ausschnitten, Texten, Zeichnungen und Formularen ging ich nur noch vorbei. Bis zur Decke, sie waren an die sechs Meter hoch, hob ich meinen Kopf nicht mehr. Ich war müde geworden.

Ein wenig meinte ich die Künstlerin zu verstehen, als ich vor ihren kleinen, vollgekritzelten Tagebüchern stand. Bisher brachte ich es auch nicht fertig, meine Jahreskalender weg zu werfen. Darboven wollte vielleicht die Zeit festhalten und die „Zeit-vergeht-so-schnell“, genauso wie ich, aufhalten.

Auf der Rückfahrt im Zug knobelte ich an ihrem eigens entwickelten System und dem Sinn, wie sie Kalenderdaten mit Quersummen bildete: 17.1.15 ist 1+7+1= 9+15 =24.

Klee und Kandinsky im Lenbachhaus – Kunstbau

Soll ich die Ausstellung Klee und Kandinsky besuchen? Die beiden Künstler kenne ich schon aus vielen Büchern und Museen.

Gut, dass Tano beschloss, nach München zum Lenbachhaus zu fahren.

Schon nach kurzer Zeit im unterirdischen Kunstbau war ich begeistert. Ich lernte Klee und Kandinsky nicht nur als Künstler, sondern als Lehrer, Nachbarn, Freunde und Konkurrenten kennen.

Die Ausstellung beginnt zeitfolglich mit dem Kennenlernen in München (blaue Reiter) und setzt sich fort über die Jahre am Bauhaus in Weimar und Dessau bis zur Emigration nach der Machtübernahme der NS. Die gemeinsamen Lebensstationen werden schriftlich auf Plakaten beschrieben. So erfahre ich über die Zeit im Bauhaus, dass die Schüler bei Kandinsky strenge Farb- und Formuntersuchungen machten und Respekt vor ihm hatten. Bei Klee dagegen ging es um erzählerische Elemente, figürliche Anspielungen und inhaltliche Richtungen. Aber man konnte bei ihm machen was man wollte.

Ich suche nach Spuren aus dem Jahr 1916, nach einem hundertjährigen Bild. Ich fand im Ausstellungskatalog nur, dass Klee zu der Zeit zum Wehrdienst einberufen wurde und Kandinsky in Stockholm weilte, wo er seine Beziehung zu Gabriele Münter abbrach.

Ein ausgestellter Brief von Klee versetzte mich in die Gegenwart. Er schrieb: „Wenn es auch wahr wäre, dass ich Jude bin und aus Galizien stammte, so würde dadurch an dem Wert meiner Person und meiner Leistung nicht ein Jota geändert … dass ein Jude und ein Ausländer an sich nicht minderwertiger ist als ein Deutscher und Inländer …“

Klees Bilder mochte ich schon in jungen Jahren. Sein Bild „Landschaft mit gelben Vögeln“ regte mich einmal an, ähnliche Vogelformen plastisch darzustellen. Das war vor 10 Jahren.  Inzwischen sind sie bis auf ein Paar ausgeflogen.

 

Spät abends begann er …

Riccardo mag die neuen Derwent Graphik Line Painters und hat noch ein paar Farbige dazu gekauft. Spät abends begann er mit dem Zeichnen und konnte nicht mehr aufhören, bis die Bilder am Morgen fertig auf dem Tisch lagen.
Genial, findet Tona die Ergebnisse. Wie kann man mit Stiften mit nur 0.50 mm dünnen Spitzen so flächig zeichnen.Vielleicht sagt man in diesem Fall nicht mehr Zeichnen sondern Malen.

 

Neues Jahr mit neuen Stiften

Was schenkt man Ricc zu Weihnachten? Ganz einfach! Stifte. Allein ein Set mit fünf Finelinern in den Farben weiß, schwarz und drei Grautönen animierte ihn zu neuen Bildern. Es waren aber auch ganz besondere Stifte, gefüllt mit
wasserbasierten Pigmenttuschen und einem Pumpsystem (Derwent Graphik Line Painters).

Silvester 2015Neujahr 2015

Olaf Gulbransson Werke im neuen Glanz

In dieser Schau werden die frisch restaurierten Zeichnungen von Olaf Gulbransson präsentiert. Vor 4 Jahrzehnten hat die Olaf Gulbransson Gesellschaft das durch den Stifterverein errichtete Olaf Gulbransson Museum an den Freistaat Bayern übertragen, der es seitdem als Zweiggalerie der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen betreibt. Zeitgleich übereignete Gulbranssons Witwe und dritte Ehefrau Dagny Gulbransson den künstlerischen Nachlass ihres 1958 verstorbenen Mannes.Schwerpunkte der Ausstellung sind die Selbstbildnisse, Familienbildnisse und Karikaturen enger Freunde und Porträts von Prominenten sowie ausgesuchte Vorzeichnungen für den Simplicissimus.Grafiken gehören zu den lichtempfindlichsten Objekten in Sammlungen und Ausstellungen.
Die Blätter wurden jetzt konservatorisch überprüft und nach neuesten restauratorischen Gesichtspunkten aufgelegt und passepartouriert, um den Bestand für kommende Jahrzehnte sicher zu bewahren und ausstellen zu können.

Text ist aus der Pressemitteilung

Pressebilder: Alle Abbildungen ©Bayerische Staatsgemäldesammlungen